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\n\t\t\t[vc_column_text]\n\n\tI<\/span>ch radle mit irrer Geschwindigkeit mitten auf der Strasse von der Musikprobe in Allmendingen Richtung Thun. Dass die Scheinwerfer der entgegenfahrenden Autos direkt auf mich zukommen, st\u00f6rt mich \u00fcberhaupt nicht. Mir kann nichts passieren, ich f\u00fchle mich unsterblich, ein Gott! Anstatt nach Hause zu fahren, kurve ich ins Milit\u00e4r Areal, biege ab auf die Allmend, fahre im Dreck, wo Panzer sonst \u00fcben, steige ab und spiele dem Vollmond eine wundersch\u00f6ne Sinfonie, das dauert. Danach lasse ich die kostbare Querfl\u00f6te liegen und radle nach Hause. Mein Vater ist emp\u00f6rt, er will sofort die Fl\u00f6te suchen, doch das hat keinen Sinn im Dunkeln. Am n\u00e4chsten Morgen gehen wir zusammen hin, ich f\u00fchre ihn geradewegs zur Fl\u00f6te ohne zu \u00fcberlegen, wo sie sein k\u00f6nnte<\/em>.<\/span>[\/vc_column_text]<\/p>\n

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[vc_column_text]Bald darauf begann mein erster Aufenthalt in der Klinik.
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Ich bin mit Musik aufgewachsen, mein Vater leitete die Kadettenmusik Thun und spielte selbst leidenschaftlich Trompete; seit meinem 7. Lebensjahr spiele ich ehrgeizig Querfl\u00f6te. Gut war nie gut genug f\u00fcr mich, es sollte immer besser sein \u2013 ein richtiger Perfektionist schon als Bub. Die Mutter meisterte den Haushalt, da der Vater sehr oft abwesend war. Sie bestimmte nach ihrem Gutd\u00fcnken, was gut f\u00fcr mich war und umsorgte uns Kinder allzu sehr. In meinem letzten Lehrjahr als Elektromonteur machte ich viel zu viel: Ich spielte in verschiedenen Musiken mit, machte einen Fernkurs in Elektrotechnik und besuchte jeden Samstag Einzelunterricht am Konservatorium Bern. Ich schlief zu wenig! Die Folge davon war, dass ich einen Nervenzusammenbruch erlitt, ich klappte zusammen. Der Hausarzt reagierte richtig und schickte einen guten Psychiater ins Haus, der mir sofort intraven\u00f6s Valium spritzte. Bevor er die Spritze herausgezogen hatte, war ich eingeschlafen. Drei Monate blieb ich danach zu Hause, bevor ich erfolgreich die Lehre abschloss. Ich arbeitete dann in Z\u00fcrich als Telefonmonteur. 8 Stunden am Tag unter dem Boden, sechs Stockwerke tief, Tageslicht sah ich nur kurz bei der Mittagspause und am Feierabend. Es gefiel mir gar nicht, war aber recht gut bezahlt. Ich kannte niemanden in dieser Stadt und an den Wochenenden fuhr ich immer ins Bernbiet. Nach der 17- w\u00f6chigen Rekrutenschule als Milit\u00e4rtrompeter, wo wir ganze Tage lang \u00fcbten und spielten, kehrte ich an den Arbeitsplatz in Z\u00fcrich zur\u00fcck. Und da ich so gut Fl\u00f6te spielen konnte, hielt ich Ausschau nach einem Orchester. Ich durfte bei einem Dirigenten vorspielen. Da genug Querfl\u00f6ten im Orchester anwesend waren erhielt ich sofort den Platz des Piccolo Solospielers, was mir sehr passte, aber auch viel Zeit in Anspruch nahm und Energie brauchte. Es kam einmal vor, dass ich herumirrte und mein Auto suchte. An diesem Wochenende erlitt ich dann meine erste grosse Psychose und radelte eben mit dem Fahrrad mitten auf der Strasse den Scheinwerfern entgegen.<\/span><\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ich kannte \u201emeinen\u201c Psychiater schon. Er war es nun, der mich mit meinem Einverst\u00e4ndnis in die Klinik einwies. Da war ich gerade mal 21 Jahre alt und erhielt 4 Monate lang vor allem viele Neuroleptika, die Diagnose lautete Schizophrenie. Es wurde jede Menge ausprobiert. Gut gefallen hat mir trotz allem die Musiktherapie und die sch\u00f6nen Bekanntschaften. Ich wurde zu fr\u00fch entlassen und musste nach 4 Tagen wieder hospitalisiert werden, zu Hause hielt ich es nicht aus. <\/span><\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Nach zwei Wochen durfte ich wieder bei meinem alten Lehrmeister arbeiten, doch die Arbeit war f\u00fcr mich zu schwierig, ich checkte nichts mehr. Das machte mir grosse Angst. Der Psychiater schickte mir einen IV-Berufsberater, der mich fragte, was ich am liebsten machen w\u00fcrde. Ganz spontan kam es aus mir heraus: \u201ega Puure\u201c, auf einen Bauernhof arbeiten gehen. Er kannte einen Landwirt in Wiedlisbach, wo ich zwei Tage danach mit der Arbeit auf dem Bauernbetrieb anfangen konnte. 1\u00bd Monate blieb ich dort und bekam wieder Boden unter den F\u00fcssen, ich bekam wieder Selbstvertrauen. Doch der Einstieg in die Berufswelt w\u00e4re zu fr\u00fch gewesen. Ich ging in die Band Genossenschaft in Bern arbeiten. Der gute Lehrmeister war wie ein Vater zu mir, was mich sehr st\u00e4rkte. Miteinander arbeiten mit geistig- und k\u00f6rperbehinderten Menschen war eine grosse Erfahrung f\u00fcr mich und es tat mir gut, der Ges\u00fcndeste zu sein.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

2 Jahre arbeitete ich danach in einer Elektronikapparatebau-Firma in H\u00fcnibach. Ich trat dem SAC bei und ging oft Bergsteigen. Bei einer langen Bl\u00fcemlisalphorn- Traversierung blieben wir stecken, da Touristen ohne gutes Schuhwerk den Weg blockierten, und waren somit 16 Stunden am Berg. Das war zu viel f\u00fcr mich, zu viele Eindr\u00fccke. Da wurde ich wieder hospitalisiert, nun 23 Jahre alt. Das Wahnhafte war genau gleich wie beim 1. Mal, ich war wieder der Allm\u00e4chtige. Die \u00c4rzte waren ratlos, die Medikamente n\u00fctzten nichts. Also erhielt ich eine Insulinkur\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und nahm schnell 30 kg zu. Ich war einer der Letzten, danach wurde diese Therapie nicht mehr angewendet. Diese Kur fand in einem separaten Geb\u00e4ude statt, ein netter Pfleger und eine h\u00fcbsche Schwester betreuten uns 3 \u201eInsulaner\u201c. Wir hatten es gut miteinander und ob die Kur oder die Zuwendung der Betreuenden half sei dahingestellt. 4 Monate war ich da. Ich wurde so dick, dass ich mich sch\u00e4mte ins Strandbad baden zu gehen.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Kurze Zeit war ich danach zu Hause, wurde aber sehr depressiv und wurde wieder eingeliefert. Da erhielt ich Elektroschocktherapie, dies 10-mal. In einem speziell daf\u00fcr eingerichteten Raum erhielt ich eine Kurznarkose, wurde angeschnallt und der ganze K\u00f6rper verkrampfte sich und wurde gesch\u00fcttelt. An den Stellen wo die Elektroden angebracht waren, (an den Schl\u00e4fen), sp\u00fcrte ich Schmerzen beim Aufwachen \u2013 doch es gab eine Erleichterung in den Gedanken, ein \u201eFrei sein\u201c. Leider dauerte das immer nur einen Tag.
In dieser Zeit erhielt ich zum ersten Mal Lithium, was mir sehr half gesund zu werden. Von da an erhielt ich eine Teilinvalidenrente und konnte wieder in der Pr\u00e4zisionsmechanik arbeiten, bis ich mit 24 Jahren arbeitslos wurde.
6 Monate hatte ich Zeit mir zu \u00fcberlegen, was ich mit meinem Leben noch anfangen m\u00f6chte.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ich entschied mich in den Pflegeberuf einzusteigen. Das war aber gar nicht einfach. Ich musste erst beweisen, dass ich gesund und arbeitsf\u00e4hig war. Erst arbeitete ich 8 Monate als Hilfspfleger im Inselspital, bevor ich endlich die Lehre als Krankenpfleger FA SRK in der St\u00e4dt. Krankenpflegschule Engeried Bern machen konnte. Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitete ich im Ziegler Spital Bern, zuerst absolvierte ich das Pflichtjahr und blieb danach zwei weitere Jahre dort. Da es mir so gut ging, setzte ich dann mit Absprache des Psychiaters das Lithium ab.
Kurz darauf begann ich mit der Ausbildung als Psychiatriepfleger, welche ich nach 3 Jahren mit Erfolg abschloss.
Ich heiratete, z\u00fcgelte in die H\u00fcgel des Emmentals und war gl\u00fccklich mit meiner Frau und den beiden T\u00f6chtern.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ich arbeitete 3 Jahre im Pflegeheim B\u00e4rau, als Vorgesetzter im Krankenhaus. Die Arbeit gefiel mir, doch nach dieser Zeit zog es mich wieder in die Psychiatrie zur\u00fcck. Ich wurde stellvertretender Stationsleiter auf der psychiatrischen Gerontoabteilung in der PUK Waldau, zudem habe ich den Kaderkurs f\u00fcr Abteilungsleiter in Aarau gemacht. Diese Arbeit hat mir sehr gut gefallen, ich verstand die Patienten ausgezeichnet, denn ich wusste, wie ihnen zu Mute war.
Leider fiel bald der Stationsleiter wegen einem Unfall aus und ich \u00fcbernahm die ganze Leitung. Das war nun zu viel, all die Verantwortung allein zu tragen \u00fcberforderte mich und l\u00f6ste die n\u00e4chste Psychose aus.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Schon einige Tage bin ich voll auf Touren, ich f\u00fchle mich allm\u00e4chtig und grossartig. In der Vollmondnacht streite ich mich mit meiner Frau, verlasse wutentbrannt das \u201eParadiesli\u201c, wo wir als Familie gl\u00fccklich mit den beiden T\u00f6chtern wohnen, und renne in die klare Schneenacht hinaus. Unterwegs durch den steilen Wald hinunter (200 m H\u00f6hendifferenz) entledige ich mich meiner Schuhe und Socken, werfe den Schl\u00fcsselbund und den Ehering weit in den Schnee und schwebe Richtung Tal. Da wird mir klar, dass ich einer Bestimmung folgen muss: eine grosse Menschenmenge wartet auf mich und da muss ich etwas verk\u00fcnden. Ungeahnte Kr\u00e4fte befl\u00fcgeln mich. Als unten im Tal die Polizei auf mich wartet ist das kein Hindernis, ich eile weiter durch Eis und Schnee, barfuss. Die beiden M\u00e4nner versuchen mich einzufangen, schon ist der R\u00fcckspiegel zerschmettert. Sie geben nicht auf und beginnen ein Gespr\u00e4ch mit mir. Schlussendlich steige ich freiwillig ins Auto und lasse mich in die Klinik f\u00fchren. Ein Arzt empf\u00e4ngt mich, f\u00fchrt ruhig ein Gespr\u00e4ch mit mir und ich schlafe den Rest der Nacht ohne Medikamente!<\/em><\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Das Hochgef\u00fchl dauerte nicht lange an, ich wurde mit Neuroleptika hochdosiert gef\u00fcttert und fiel in eine grauenhafte Depression, der H\u00f6lle gleich. Die Diagnose lautete jetzt bipolare St\u00f6rungen mit Mischzust\u00e4nden.
Ich war 4 Monate in der Klinik, vegetierte und sabberte vor mich hin, konnte nicht mehr richtig denken und durfte anfangs meine 3- und 6- j\u00e4hrigen T\u00f6chter nicht sehen. Ich f\u00fchlte mich sehr elend.
Nach kurzer Zeit zu Hause war ich wieder in der Klinik und diesmal las einer der \u00c4rzte meine Krankengeschichte und kam auf die Idee, dass das Lithium mir wieder helfen k\u00f6nnte. Und das tat es auch.
Bei einem Vertrauensarzt der Pensionskasse musste ich mich vehement zur Wehr setzen gegen eine fr\u00fchzeitige Pensionierung. Ich war gerade 40 Jahre alt!
Endlich konnte ich wieder arbeiten, zwar nicht mehr auf derselben Station, nun arbeitete ich auf der Privatstation mit weniger Betten. Da war ich sehr froh.<\/p>\n

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Mein jetziger Psychiater empfahl mir, die Medikamente, das Lithium, bis zu meinem Lebensende einzunehmen. Etwas in mir str\u00e4ubte sich jetzt aber bei diesem Gedanken. Ich war lange damit einverstanden, denn ich hatte sehr Angst zu reduzieren, ich wollte nicht noch einmal 7 Monate in einer Klinik als Patient verbringen. Diese grausame Zeit war mir noch sehr pr\u00e4sent.<\/p>\n

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Die Nebenwirkungen des Lithiums waren mir ja schon lange bekannt. Einerseits von mir selbst, aber auch von Patienten, die ich in der Klinik betreute. Meine k\u00f6rperlichen Symptome: sehr trockene Haut, vor allem trockene und harte Haut an den F\u00fcssen, \u00d6deme unter den Augen, Fingerspitzen prall gef\u00fcllt, keine Schweissabsonderung, eher Mundtrockenheit, grossen Durst, erh\u00f6hten Blutzuckerspiegel, ab und zu \u201enerv\u00f6sen Durchfall\u201c.
Psychische Symptome: Vergesslich, langsam, stressanf\u00e4llig, d\u00fcnnh\u00e4utig, stur, gereizt, intolerant, leicht aufbrausend und Konzentrationsschwierigkeiten.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Im Jahr 2001 trennte ich mich von meiner Frau und liess mich gut ein Jahr sp\u00e4ter scheiden. Die T\u00f6chter blieben bei ihrer Mutter.
Dazu kam, dass erst mein Vater und ein halbes Jahr sp\u00e4ter meine Mutter starben.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

In dieser Zeit hatte ich es nicht einfach, ich musste sehr viel verarbeiten!
Die Arbeit wurde mit der Zeit immer hektischer (auf der Privatstation K\u00f6nig in der UPD Waldau. Neu waren da jetzt 18 Betten und ein Isolierzimmer). F\u00fcr mich war es kaum mehr auszuhalten und ich war sehr dankbar, als ich mit Hilfe meiner Bereichsleiterin und dem Psychiater die Arbeit erst reduzieren un dann ganz aufh\u00f6ren konnte. Ich wurde vom Arbeitgeber bei der IV angemeldet. Mit 59 Jahren wollten sie mich noch umschulen, doch da war ich ganz klar dagegen. Mein Leben lang habe ich gek\u00e4mpft und mich selbst eingegliedert, jetzt war genug! Mein Psychiater setzte alles in Bewegung und letztendlich musste ich einen Anwalt engagieren. Nur so bekam ich auch von der Bernischen Pensionskasse die ganze Invalidenrente. Das kostete nicht nur Geld, sondern auch Nerven, aber es hat sich gelohnt.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ein grosser Druck fiel von mir. Zudem hatte sich meine private Lebenssituation ge\u00e4ndert. Ich z\u00fcgelte aus meiner kleinen Wohnung ins grosse alte Haus meiner Partnerin, wo gen\u00fcgend Arbeit rund ums Haus auf mich wartete. Da besch\u00e4ftigte ich mich vermehrt draussen mit der Pflege der Rosen und allgemeinen Gartenarbeiten. Das gab mir wieder Boden unter den F\u00fcssen.
Ich konnte mich nun auch wieder der Musik widmen. Ich spielte \u00f6fter Querfl\u00f6te und bin immer noch ein sehr engagierter Bl\u00e4ser im Liebhaberorchester VHS in Thun. Zudem lernte ich mit meiner Partnerin zusammen das Panfl\u00f6tenspiel.
Wir \u00fcben fast t\u00e4glich zusammen und treten auch an verschiedenen Anl\u00e4ssen auf, das verbindet und schweisst zusammen.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Im Pro Mente Sana Aktuell Heft vom 18. Juni 2010 las ich folgendes Inserat von der Autorin Nora Haberth\u00fcr: Recovery- Heilung: Teilnehmer f\u00fcr ein Buchprojekt gesucht, die Heilung von psychischer Krankheit erfahren haben. Ich meldete mich und fuhr danach einige Male nach Winterthur zu Gespr\u00e4chen. Meine Geschichte steht im Buch \u201eWege der Heilung \u2013 Wege der Hoffnung\u201c. All das Erlebte zu erz\u00e4hlen tat mir gut, st\u00e4rkte mein Selbstvertrauen sehr. Ich lernte, offen \u00fcber meine Krankheit, \u00fcber meine Vergangenheit zu reden.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ich bin auch Mitglied im Netzwerk Recovery (www.netzwerk-recovery.ch<\/strong><\/a>).<\/p>\n

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Die Schweizer Paraplegiker-Forschung beteiligt sich am internationalen
Forschungsprojekt DISCIT.
DISCIT will Mittel und Wege aufzeigen, die Menschen mit Behinderung,
k\u00f6rperlich oder geistig, dazu bef\u00e4higen, aktive B\u00fcrgschaft zu praktizieren, also autonom, selbst\u00e4ndig ihr Leben zu meistern. Im Netzwerk Recovery suchte die Doktorandin Frau Victoria Schuller (A), die an diesem Forschungsprojekt mitarbeitete, noch einen Betroffenen in meinem Alter. Ich meldete mich und wurde von ihr im August 2014 in Nottwil drei Stunden intensiv interviewt.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Eine Medizinstudentin befragte mich im M\u00e4rz 2015 f\u00fcr eine Arbeit im Fach
Psychiatrie.
Seither habe ich schon manches Gespr\u00e4ch mit verschiedenen interessierten
Menschen gef\u00fchrt und oft erz\u00e4hlen sie dann selbst von \u00e4hnlichem Erlebtem.
Auch der Trialog, das Psychose Seminar hat dazu beigetragen offen \u00fcber
psychische Krankheiten reden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

All das Erlebte hat mich motiviert, nach 22 Jahren das Lithium zu reduzieren.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ich habe meinem Psychiater am 16. April 2013 diesen Vorschlag gemacht und siehe da \u2013 er war einverstanden. Er wollte es aber sehr genau machen, mit exakten Laboruntersuchungen, Beobachtungen und Gespr\u00e4chen um zu sehen, wie ich mich ver\u00e4ndere.
Meine durchschnittlichen Blutwerte mit Quilonorm retard 450mg. 1,-,1 Tbl.
waren bei 0,56 -0,71mmol \u00fcber die Zeitspanne von 22 Jahren. J\u00e4hrlich werden Calzium, Natrium, Kalium, Creatinin, TSH, T4 frei, T3 frei, Lithium und auch die H\u00e4matologie kontrolliert. S\u00e4mtliche Werte waren in den 22 Jahren immer gut, ausser den BZ-Werten, die waren schon lange Zeit immer etwas erh\u00f6ht. Am 17. 4. 2013 (an meinem Geburtstag) begann ich, das Lithium am Morgen auf \u00bd,-,1 Tbl. zu reduzieren, anschliessend hatte ich einen Monat lang pro Woche eine Laborkontrolle. Die Werte waren kaum tiefer. Ab dem 28. Mai schauten wir, wie die Werte umgekehrt sind, also 1,-, \u00bd Tbl. Das ergab keine Ver\u00e4nderung der Werte. Ab dem 8. Juli \u00e4nderten wir wie zum Anfang auf \u00bd,-,1 Tbl. Der Grund war Ferienabwesenheit und wir wollten in dieser Zeit nicht ohne Laborkontrollen reduzieren. Ab dem 26. August begann ich mit der vorl\u00e4ufig letzten Reduzierung auf \u00bd,-, \u00bd Tbl. In einem Monat wurden wiederum 4 Blutentnahmen gemacht, und bis jetzt (im Januar 2016) blieb der Lithiumspiegel zwischen 0.37 – 0.41mmol.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ich bin gl\u00fccklich und auch ein wenig stolz, dass ich diese Reduktion gewagt habe. Es geht mir jetzt viel besser, ich f\u00fchle mich j\u00fcnger, sozusagen wie zu alten Zeiten.
Jetzt geht es mir sehr gut, abgesehen von verschiedenen Zipperlein, die im Alter eben erscheinen. Ich f\u00fchle mich leichter, befreiter auch im Kopf. Jetzt kann ich lange Briefe schreiben ohne sie vorher aufzusetzen und zu korrigieren, meine Schrift ist klarer und schwungvoller. Langen Gespr\u00e4chen kann ich problemlos folgen. Ich kann wieder ein Buch lesen, vorher konnte ich mich zu wenig konzentrieren; ich las h\u00f6chstens die Tageszeitung.<\/em><\/p>\n


Ich passe aber ganz gut auf, dass ich nicht aus den Schienen falle. Wenn alles seinen gewohnten Gang abl\u00e4uft, habe ich keine Probleme. Ich muss Abmachungen oder Ver\u00e4nderungen einfach m\u00f6glichst lange vorher wissen, damit ich mich darauf einstellen kann. Spontaneit\u00e4t ist nicht meine St\u00e4rke. Das gibt hin und wieder recht heftige Diskussionen mit meiner Partnerin, die sich im Grossen und Ganzen sehr bem\u00fcht, Unvorhergesehenes abzufangen. Auch ihre Kinder sind sehr tolerant und nehmen mich so wie ich bin.<\/em><\/p>\n


Wir haben keinen Fernseher, h\u00f6ren nur Radio und ich lese t\u00e4glich die Zeitung.
Ich suche mir die Filme im Kino gut aus, es soll kein Actionfilm sein, das erleide ich nicht, kein Geflimmer, keine allzu grosse Menschenmenge oder grosser L\u00e4rm. All das meide ich bewusst und so geht es gut. Es d\u00fcrfen nicht zu viele Eindr\u00fccke aufs Mal auf mich einprasseln, sonst bin ich \u00fcberfordert.<\/em><\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Auch brauche ich viel Zeit f\u00fcr mich, Ruhe. Ich bin immer noch ein Perfektionist, doch kann ich ab und zu jetzt einen F\u00fcnfer grad sein lassen.
Meine Haut hat sich auch sehr ver\u00e4ndert, sie ist nicht mehr so furchtbar trocken und rissig im Winter, zudem kann ich wieder schwitzen, wenn ich mich k\u00f6rperlich bet\u00e4tige.<\/em><\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Ab Juli 2019 werde ich nach reiflicher \u00dcberlegung und nach 6 Jahren reduzierter Medikamente, mit Hilfe des Psychiaters wieder sehr langsam reduzieren und ganz absetzen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass ich das Lithium nicht mehr brauche.<\/em><\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Und zum Schluss ein passendes Zitat:<\/p>\n


Du kannst dir nicht aussuchen was im Leben passiert,
aber du kannst dir aussuchen, wie du damit umgehst.
Lass dir deine Gegenwart nicht von der Vergangenheit bestimmen,
aber lass die Vergangenheit ein guter Ratgeber
f\u00fcr die Zukunft sein.<\/p>\n

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Quellennachweis:
Wege der Heilung-Wege der Hoffnung von Nora Haberth\u00fcr
Erschienen im Oktober 2013, Paulusverlag Freiburg Schweiz
ISBN 978-3-7228-0841-3
Das Buch ist leider vergriffen, ist antiquarisch unter ZVAB noch an
einigen Orten erh\u00e4ltlich.<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

Urs Gruber
Unterdorfstrasse 3
CH-3510 Konolfingen
+41 31 791 17 46<\/p>\n

urs.gruber@bluemail.ch<\/strong><\/a>\u00a0<\/p>\n

\u00a0<\/p>\n

\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n

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