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Wie schon herkömmliche Antidepressiva und Neuroleptika, können auch die neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika chronische Erkrankungen auslösen, gelegentlich führen sie zum Tod. Teilweise kommt es unangekündigt zu solchen Störungen, teilweise gibt es Frühwarnzeichen. Diese sollten Ärzte und vor allem die Betroffenen kennen, um im Bedarfsfall die Dosierungen der Antidepressiva und Neuroleptika zu vermindern oder diese schrittweise oder sofort abzusetzen. […]

 

In den letzten Jahren wurden zunehmend Studien publiziert, wonach die Lebenserwartung von Patienten mit ernsten psychiatrischen Diagnosen („Schizophrenie“, „Depression“, „bipolare Erkrankung“, „Persönlichkeitsstörung“) weltweit um zwei bis drei Jahrzehnte verringert ist. […]

 

Selbstverständlich ist die Zahl der Mainstream-Psychiater gross, die keinerlei Zusammenhang zwischen ihren Anwendungen und der hohen Sterblichkeitsrate psychiatrischer Patienten sehen oder sehen wollen.

 

Angesichts des unstrittigen schlechten körperlichen Zustands psychiatrischer Patienten kann es lebensrettend sein, die chronischen und lebensgefährlichen Schäden einschliesslich Frühwarnzeichen zu kennen, die neue Antidepressiva und atypische Neuroleptika verursachen können. Speziell wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten, die als Frühwarnzeichen einer gesundheitlichen Gefährdung gelten, sollte man angemessene Schritte unternehmen. Das kann langsames oder sofortiges Absetzen bedeuten, das Aufsuchen eines Arztes, die Fahrt zur Notaufnahme des nächsten Krankenhauses oder das Herbeirufen des Notarztes.

 

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Delire https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/delire/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/delire/#respond Sun, 01 Sep 2019 09:06:22 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7960

Psychopharmaka-bedingte Verwirrtheitszustände können gefährliche Ausmasse annehmen. Die Symptomatik kann sich ausweiten zu – organisch bedingten – Deliren, die wiederum einhergehen können mit verminderter Hirndurchblutung und Sauerstoffaufnahme des Gehirns sowie Folgesyndromen wie Ein- und Durchschlafstörungen, durchgehender Schlaflosigkeit, […] starker Müdigkeit und bleibendem Korsakowsyndrom, einer speziellen Form von Gedächtnisverlust. […] Vorboten von Deliren können innere Unruhe sein, Erregtheit, Sich-Getrieben-Fühlen und Ängstlichkeit. Hinzu kommen können Schwächegefühle, Müdigkeit, Antriebsarmut, Interesselosigkeit, Übelkeit und Bewegungsstörungen wie Muskelzittern und Muskelstarre.

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Entzugserscheinungen und Chronifizierung von Depressionen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/entzugserscheinungen-und-chronifizierung-von-depressionen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/entzugserscheinungen-und-chronifizierung-von-depressionen/#respond Sun, 01 Sep 2019 09:05:11 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7964

Antidepressiva seien wichtige und möglicherweise lebensrettende Medikamente, schreibt der italienische Psychiater Giovanni Fava gemeinsam mit Kollegen, sofern sie tatsächlich angezeigt seien. Doch auch in diesem Fall sei mit Risiken zu rechnen unter anderem mit nachlassender oder verschwindender pharmakologischer Wirkung, mit einer Veränderung der Depression in Richtung bipolare, das heisst manisch-depressive Störung, mit Entzugserscheinungen und Toleranzbildung (Fava & Davidson, 1996; Fava, 2014). Solche Probleme könnten in Zulassungsstudien nicht erkannt werden. Pharmakologische Interventionen könnten die Depression verfestigen, sie verlangsamt abklingen lassen, die Rückfallgefahr vergrössern und behandlungsresistent machen:

 

„Führen wir die Behandlung länger als 6-9 Monate fort, können wir Prozesse auslösen, die den anfänglichen akuten Wirkungen von Antidepressiva entgegenwirken (Verlust klinischer Wirkungen). Möglicherweise lösen wir damit einen schlechteren und behandlungsresistenten Krankheitsverlauf aus, was zu Resistenz oder beschleunigten Rückfällen führen kann. Wenn die Medikamentöse Behandlung endet, können diese Prozesse unbehindert vonstattengehen und Entzugserscheinungen und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Rückfällen mit sich bringen. Solche Prozesse sind nicht unbedingt reversibel. Je mehr wir Antidepressiva wechseln oder verstärkt einsetzen, desto wahrscheinlicher kommt es zu einer entgegengesetzten Toleranz“ (Fava & Offidani, 2011, S.1600)

 

Seine Ausführungen stützt Fava auf verschiedene Studien, wonach sich unter SRI die Symptome verstärken können (Fux et al.,1993), Rückfälle in hoher Zahl auftreten (Baldessarini et al., 2002; McGrath et al., 2006; Bockting et al., 2008; Williams et al., 2009), die Wirkung der SRI nachlässt (Fava et al., 1995), Patienten nach anhaltender SRI-Einnahme ein höheres Risiko einer zweiten Behandlung aufweisen als Patienten, die sie frühzeitig beenden (Gardarsdottir et al., 2009), nach Rückfällen Dosiserhöhungen notwendig werden (Maina et al., 2001), Toleranzbildung Dosissteigerung nötig macht und trotzdem Rückfälle auftreten (Schmidt et al., 2002). Aber auch nach wiederholter SRI-Gabe mit Unterbrechungen trete eine Tachyphylaxie ein: eine zunehmende Wirkungsabschwächung (Fava et al., 2002; Solomon et al., 2005; Rothschild, 2008; Amsterdam et al., 2009; Amsterdam & Shults, 2009; Williams et al., 2009). Schliesslich könne ein chronischer Verstimmungszustand („tardive Dysphorie“) eintreten (El-Mallakh et al., 2011).

 

Warnende Stimmen, wonach die fortgesetzte Einnahme von Antidepressiva durch Rezeptorenveränderungen ihren anfänglich möglicherweise positiven akuten Wirkungen entgegenwirkt (Young & Goudie, 1995), sind nicht neu. Schon Mitte der 1960er Jahre äusserten Ärzte den Verdacht, dass Antidepressiva zur Chronifizierung von Depressionen führen können.[…]

 

Auf die Dauer komme es zu einer verminderten Serotoninwirkung, schrieb Marc Rufer (1995, S.144) und machte dafür die bleibende Down-Regulation der Serotonin- und Noradrenalin-Rezeptoren als Reaktion auf den durch Antidepressiva künstlich erhöhten Gehalt an Botenstoffen in den Nervenverbindungen verantwortlich. Andere Autoren, beispielsweise Paul Andrews von der Abteilung für Psychologie, Neuro- und Verhaltenswissenschaften an der McMaster-Universität von Hamilton in Ontario, weisen auf die natürliche Selbstregulation des Serotonin-Haushalts oder andere Botenstoffe im Gehirn hin. Diese könne von den Antidepressiva beeinträchtigt werden, was dazu führe, dass das Gehirn überreagiere, wenn die Antidepressiva abgesetzt werden. Einzig um die Entzugsprobleme zu bewältigen, müssten die Betroffenen dann weiterhin Antidepressiva einnehmen (McMaster University, 2011). Entzugsprobleme und gesteigerte Anfälligkeit für neue Depressionen würden letztlich zur körperlichen Abhängigkeit führen.

 

Entzugserscheinungen können Monate oder Jahre anhalten und auch durch langsames Absetzen nicht grundsätzlich verhindert werden (Fava et al., 2007; Belaise et al., 2012, 2014). Entwickelt sich ein „Absetz-Syndrom bei Antidepressiva“ so eine neue Diagnose im internationalen Diagnosehandbuch „DSM-5“-, könne dies nur durch die Weitereinnahme der Antidepressiva unterdrückt werden (APA, 2015, S.982f.) […] Auch wenn Main-Streampsychiater den Begriff „Antidepressiva-Abhängigkeitssyndrom“ nicht verwenden mögen, gestehen sie mittlerweile ein, dass man bei allen Arten von Antidepressiva schon nach kurzer Einnahmedauer mit spezifischen Absetzproblemen rechnen muss. […] Informationen, wie man solchen Entzugsproblemen anders als durch weitere Einnahme von Antidepressiva beikommen könnte, liefern Mainstream-Psychiater nicht.

 

Ein Team um Giovanni Andrea Fava von der Psychiatrischen Abteilung der State of University of New York in Buffalo kam nach einer Meta-Analyse publizierter Vergleichsstudien und anderer Forschungsberichte zu Problemen beim Absetzen von SRI zum Ergebnis, statt verharmlosend von Absetzsymptomen müsse man korrekterweise von Entzugssymptomen sprechen: „Die Symptome treten in der Regel innerhalb von wenigen Tagen nach Absetzen der Medikamente auf. Sie halten auch beim Ausschleichen ein paar Wochen an. Allerdings sind viele Varianten möglich, einschliesslich verzögertem Einsetzen oder langem Fortbestehen der Störungen. Die Symptome können leicht als ein Zeichen eines drohenden Rückfalls fehlinterpretiert werden. Kliniker sollten SSRI der Lister der Medikamente hinzufügen, die beim Absetzen Entzugserscheinungen verursachen können – zusammen mit Benzodiazepinen, Barbituraten und anderen psychotropen Medikamenten. Der aktuell verwendete Begriff „Absetz-Syndrom“ verniedlicht die durch SSRI verursachten Schadenspotenziale und sollte durch „Entzugs-Syndrom“ ersetzt werden“ (2015, S.72) […]

 

Die Chronifizierung von Depressionen als Ergebnis Antidepressiva-bedingter Rezeptorenveränderungen stellt sich schleichend ein. Vorboten sind bleibende oder sich verstärkende Depressionen unter Einfluss von Antidepressiva sowie mehr oder weniger rasch auftretende Entzugssyndrome.

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Entzugserscheinungen und Chronifizierung von Psychosen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/entzugserscheinungen-und-chronifizierung-von-psychosen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/entzugserscheinungen-und-chronifizierung-von-psychosen/#respond Sun, 01 Sep 2019 09:03:15 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7968

Veränderungen des Rezeptorensystems gelten als behandlungsbedingte Ursachen von Supersensivitätspsychosen sowie tardiven, das heisst im Lauf der Neuroleptika-Verabreichung, beim Absetzen oder danach auftretenden Psychosen. Entzugserscheinungen bei Neuroleptika werden oft als Rückfall verkannt und führen zu deren Dauerverabreichung.

 

[…] Die Entzugssymptome können Angehörige und Ärzte an Rückfälle und die Betroffenen an die Notwendigkeit einer Dauerbehandlung mit Neuroleptika glauben lassen. […]

 

Supersensivitätspsychosen liegt eine im Lauf der Neuroleptika-Verabreichung entstehende Vermehrung („Up-Regulation“) von Dopamin-Rezeptoren im Streifenkern zugrunde, einem speziellen Hirnbereich. Nach mehreren Monaten steigt deren Zahl um durchschnittlich 34 % an, nach mehreren Jahren um 70 % bis 100 %. Schliesslich verdreifacht sich die Zahl der Dopamin-Rezeptoren, der „D2 high state“ tritt ein: physiologische Grundlage von Supersensivitätspsychosen und Wirksamkeitsverlusten der Neuroleptika (siehe den Beitrag von Volkmar Aderhold in diesem Buch), einhergehend mit dem Anstieg erforderlicher Dosierungen, erhöhter Vulnerabilität für neue Psychosen und verkürzter Intervalle zwischen psychotischen Episoden (Scholler et al., 1967; Chouinard & Jones, 1978; Chouinard et al., 1980), vermehrte Ausschüttung von Dopamin (Howes & Kapur, 2009), vermehrter sogenannter Positiv-Symptomatik bei Rückfällen (Gur et al., 1998; Grace, 1991; Abi-Dargham et al., 2010) und sogenannter psychotischer Restsymptomatik nach Rückfällen sowie vermehrter tardiver Dyskinesien bei Patienten mit der höchsten Vermehrung von D2-Rezeptoren. Die Psychose wird chronisch. […]

 

Mit Supersensivitätspsychosen einhergehen eine weitere Toleranzentwicklung gegenüber Neuroleptika, eine Verschlechterung der psychotischen Symptome auch bei kontinuierlicher Neuroleptika-Verabreichung, Dyskinesien, und erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Stress. Das heisst, dass bereits geringe psychosoziale Belastungen psychotische Symptome verstärken oder einen Rückfall auslösen können.

 

Ein Frühwarnzeichen für sich entwickelnde Supersensivitätspsychosen unter Neuroleptika sind psychotische Symptome, die schon in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen auftreten. Werden diese Symptome durch eine weitere anhaltende Verabreichung von Neuroleptika unterdrückt, kann die Psychose chronisch werden. Als weitere Frühwarnzeichen für Supersensivitätspsychosen, die in Häufigkeiten bis zu 43 % auftreten (Chouinard et al., 1986), gelten Neuroleptika- bedingte Bewegungsstörungen wie Bewegungsarmut, Muskelzittern, -steifheit und –krämpfe, Akathisie und Dyskinesien (Chouinard et al., 1988, 1990; Chouinard & Chouinard, 2008).

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Suizidalität https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/suizidalitaet/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/suizidalitaet/#respond Sun, 01 Sep 2019 08:52:55 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7975

Neue Antidepressiva und atypische Neuroleptika können Suizidalität verursachen oder verstärken. Dass Suizidalität viele Ursachen haben kann, darunter politische, soziale, ökonomische, psychische, physiologische und psychiatrische, ist bekannt.

 

Suizidalität kann rationale oder irrationale Ursachen haben. Angst vor psychiatrischer Unterbringung gehört ebenso dazu wie Verzweiflung angesichts stigmatisierender psychiatrischer Diagnosen verbunden mit sozialem Abstieg, traumatisierenden Erfahrungen mit psychiatrischer Zwangsbehandlung und der Vorstellung, an einer unheilbaren psychischen Krankheit zu leiden. […]

 

Von einer Reihe von Medikamenten ist deren mögliche suizidfördernde Wirkung bekannt, beispielsweise Tuberkulostatika (z.B. Cyloserin), Clucocorticoide (z.B. Cortison), Blutdrucksenker (z.B. Methyldopa, Betablocker), Chemotherapeutika (z.B. Dacarbazin., Prednisolon, Procarbazin, Interferone) und Raucherentwöhnungsmittel (z.B. Varencilin). Auch Psychopharmaka gehören zu dieser Medikamentengruppe. Während die Schweizer Sandoz Pharmaceuticals AG ihre Warnung auf den Einnahmebeginn von SRI beschränkt: „Die bisherige klinischen Erfahrung zeigt, dass das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung ansteigen kann“, müssen US-amerikanische Hersteller in ihren Fachinformationen auf die dauerhafte Suizidgefahr hinweisen: „Alle Patienten, die unabhängig von der Indikation mit Antidepressiva behandelt werden, sollten ausreichend überwacht und genau beobachtet werden, um eine klinische Verschlechterung, Suizidalität und ungewöhnliche Veränderungen im Verhalten zu erkennen, besonders in den ersten paar Monaten der medikamentösen Therapie oder bei Erhöhung oder Verringerung der Dosis.“ (U.S. Food & Drug Administration, 2007, zitiert nach: Gøtzsche, 2016, S.83)

 

Im schwedischen Suizidregister sind die neuen Antidepressiva (Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Milnacipran, Mirtazapin, Reboxetin, Sertralin und Venlafaxin) zu finden, die Patienten zeitnah vor ihren Suiziden eingenommen hatten, ebenso die atypischen Neuroleptika (Aripiprazol, Olanzapin, Quetiazepin, Risperdion und Ziprasideon) (Larsson, 2009, S. 23-25).

 

Suizidalität ist bei Neuroleptika mit der Hauptwirkung verbunden, nämlich dem mehr oder weniger subtil auftretenden Parkinsonoid (Symptomkomplex der Schüttellähmung bzw. des Parkinsonismus) und der Parkinsonpsyche, der zum Parkinsonoid gehörenden psychischen Verfassung. Auch das Suizidpotenzial einer Neuroleptika-bedingten quälenden Akathisie ist bekannt. Schon 1975 hatte Frank J.Ayd von der Psychiatrischen Abteilung des Franklin Square Hospital in Baltimore mit eindeutigen Worten auf mögliche Suizidtendenzen als Ergebnis der Verordnung von Neuroleptika aufmerksam gemacht: „Es besteht nun eine allgemeine Übereinstimmung, dass milde bis schwere Depressionen, die zum Suizid führen können, bei der Behandlung mit jedem Depot-Neuroleptikum auftreten können, ebenso wie sie während der Behandlung mit jedem oralen Neuroleptikum vorkommen können.“ (S.497)

 

Hersteller nehmen den psychischen Zustand von den Betroffenen vor Behandlungsbeginn als Vorwand, um Suizide unter Antidepressiva und Neuroleptika ausschliesslich der diagnostizierten Krankheit anzulasten. Einer der Hersteller von Aripiprazol erklärt salopp: „Das Auftreten suizidalen Verhaltens gehört zu psychotischen Erkrankungen und affektiven Störungen…“ (AbZ-Pharma GmbH, 2016, S.2)

 

Hersteller und Mainstream-Psychiater meinen, sich und ihre Produkte mit einer solchen Argumentation von jeglicher Verantwortlichkeit freisprechen zu können. Notfalls verweisen sie auf die niemals zu gewährleistende Totalüberwachung ihrer Patienten oder – jetzt voller Verständnis für die massgeblich soziale Natur der psychischen Probleme – den Bilanzsuizid als Todesursache. In jedem Fall werden die substanzeigenen suizidfördernden Wirkungen ausgeblendet. […]

 

Als Vorboten Antidepressiva-bedingter Suizidalität gelten Erregbarkeit, Agitiertheit, Feindseligkeit, Aggressivität, Angstzustände, Panikattacken, psychomotorische Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen, Hypomanie und Manie. Vorboten Neuroleptika- bedingter Suizidalität können niedergedrückte Stimmung und wie bei Antidepressiva – psychomotorische Erregungszustände sein.

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Hirnstörungen und Hirnschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/hirnstoerungen-und-hirnschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/hirnstoerungen-und-hirnschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 08:47:59 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7978

Synkopen (anfallsartig einsetzende, kurz dauernde Ohnmachtsanfälle infolge Minderdurchblutung des Gehirns) können bei neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika auftreten, Hirnzellverluste und zerebrovaskuläre Ereignisse eher bei letzteren. […]

 

Eine von typischen Neuroleptika her bekannte Störung ist das Defizit-Syndrom. Die Symptomatik ist gekennzeichnet durch bleibende Antriebslosigkeit und eine Verminderung der Willensstärke, der Spontaneität, emotionaler Regungen und der Zuwendung zur Umwelt. Andere Bezeichnungen für diese Neuroleptika-Wirkung sind „neuroleptisches apathisches Syndrom“ oder „Syndrom der gebrochenen Feder“. Lassen der Antrieb und das Bedürfnis zu sprechen und nach sozialen Kontakten nach, können diese Symptome Vorboten eines Defizit-Syndroms sein. Defizit-Syndrome können chronisch werden. Interpretieren Psychiater die Symptome als „Negativsymptomatik im Rahmen der Schizophrenie“ oder „adynamisches Verpuppungs-Syndrom“, besteht die grosse Gefahr, dass sie die Dosis erhöhen oder zusätzliche Neuroleptika und Elektroschocks verabreichen.

 

Defizite bei Intelligenzwerten können durch Hirnzellverluste hervorgerufen werden, speziell durch Verminderung der grauen Substanz der Hirnrinde und Apoptosis. Hierunter versteht man das von der betreffenden Zelle selbst aktiv durchgeführte Sich-Abstossen aus dem Gewebe, eine Form des programmierten Zelltods. Es kann von aussen angeregt oder aufgrund von zellinternen Prozessen ausgelöst werden. Die Verabreichung von Neuroleptika, atypischer inklusive, ist Ärzten bekannt als eine Ursache dieser Entwicklung.

 

Auch atypische Neuroleptika führen zu Hirnzellverlusten. […]

 

Ein Team um Raphael Bonelli von der psychiatrischen Universitätsklinik Graz untersuchte den Einfluss von atypischen (Olanzapin, Risperidon, Zotepin) und herkömmlichen Neuroleptika (Melperon, Flupentixol, Haloperidol, Prothipendyl) auf lebende Hirnzellen, indem es den Spiegel des Proteins Transglutaminase (tTG) im Liquor (Gehirn- Rückenmark-Flüssigkeit) mass. Ein erhöhter tTG-Spiegel gilt als Indiz für eine sich entwickelnde Alzheimer-Krankheit. Bonelli und Kollegen publizierten 2005 ihre Ergebnisse: „ […] Was den tTG-Proteinspeigel im Liquor betrifft, so stiess man auf einen signifikanten Einfluss […] von antipsychotischen Medikamenten […] Im Gegensatz zur männlichen Untergruppe fand man bei der weiblichen Gruppe einen starken Einfluss von Neuroleptika auf den Hirnzelltod. […] Überraschenderweise unterschieden sich atypische Antipsychotika in ihrer Neurotoxität nicht von typischen Neuroleptika. […] Die Befunde legen nahe, dass typische und atypische antipsychotische Medikamente speziell bei weiblichen Patienten Hirnzelltod verursachen.“ […]. Eine Reihe weiterer Studien und Übersichtsartikel berichten über neurodegenerative Prozesse der grauen Substanz (Aderhold et al., 2915; Cahn et al., 2002; Thompson et al., 2009; Aoyama et al., 2011; Ho et al., 2007, 2011)

 

„Hirnzellverluste können auch das Ergebnis zerebrovaskulärer Ereignisse sein, das heisst, Folgen von Blutgefässstörungen des Gehirns. Wie einer der Hersteller von Amisulprid informiert, betrifft dieses Risiko im Prinzip alle Neuroleptika-Behandelten: „In randomisierten (nach dem Zufallsprinzip aufgebauten), Placebo kontrollierten Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Neuroleptika behandelt wurden, wurde ein etwa um das Dreifache erhöhte Risiko für unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet. Der Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, ist unbekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt.“ (ratiopharm GmbH, 2013, S.2).

 

Vorboten von Hirnzellverlusten sind Symptome, wie sie auch vom Frühstadium einer Alzheimer-Erkrankung bekannt sind: zunehmende Störung der Merkfähigkeit und der Orientierung, Nachlassen kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Zerebrovaskuläre Ereignisse, Schlaganfälle inbegriffen, kündigen sich unter anderem durch plötzliche Erschlaffung, Taubheit im Gesicht, an Armen oder Beinen sowie durch Sprach- und Sehstörungen an. Risikofaktoren für Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche sowie Nieren- und Gefässerkrankungen sind unter anderem Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel – Probleme, die als unerwünschte Wirkungen von Antidepressiva und vor allem Neuroleptika auftreten können. […]

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Allergische Reaktionen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/allergische-reaktionen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/allergische-reaktionen/#respond Sun, 01 Sep 2019 08:35:55 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7982

Unter neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika kann es zu einer Reihe allergischer und teilweise lebensbedrohlicher Unverträglichkeitsreaktionen kommen, die ein schnelles Erkennen der Situation und sofortiges Handeln erfordern, zum Beispiel bei einem anaphylaktischen Schock. Dies ist eine akut lebensbedrohliche maximale Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems. Verträgt der Organismus Fremdstoffe (wie Antidepressiva oder Neuroleptika) nicht, kann er Antikörper bilden. Werden dem Körper dann erneut diese Fremdstoffe zugeführt, können die gebildeten Antikörper innerhalb von Sekunden bis zu 20 Minuten, selten auch noch nach Stunden freigesetzt werden, es kann zu allergischen Reaktionen kommen. Bei ihrem leichteren Schweregrad beschränkt sich diese Reaktion zumeist auf die Haut, was sich in Rötungen und Schwellungen äussert. Bei weiterer Verabreichung der unverträglichen Fremdstoffe kann ein anaphylaktischer Schock eintreten.

 

Eine spezielle Unverträglichkeitsreaktion ist das bei neuen Antidepressiva mögliche Stevens-Johnson-Syndrom. Es ist gekennzeichnet durch eine blasige Ablösung der oberen Hautschicht von weniger als 10% der Körperoberfläche, geht einher mit hohem Fieber und körperlicher Abgeschlagenheit und kann zum Tod führen, insbesondere wenn die Substanz, die die Allergie auslöst, weiter verabreicht wird. […]

 

Auch das Angiödem, das durch schmerzlose Schwellungen des Unterhautzellgewebes bzw. der unterhalb von Schleimhäuten gelegenen Bindegewebsschicht gekennzeichnet ist und oft mit Juckreiz einhergeht, kann eine schwere allergische Reaktion auf neue Antidepressiva darstellen. Angiödeme können prinzipiell an allen Stellen des Körpers auftreten. […]

 

Eine unter Einnahme von atypischen Neuroleptika auftretende allergische Reaktion ist das potenziell tödliche DRESS-Syndrom (Arzneimittel-bedingter Hautausschlag mit vermehrter Zahl eosinophiler Granulozyten und systemischen, das heisst Organsysteme betreffenden Symptomen). […] Ein frühes Warnzeichen für das DRESS-Syndrom ist ein Hautausschlag, der von einer Gesichts- oder Lymphknotenschwellung und einem starken Krankheitsgefühl begleitet ist.

 

Gelegentlich reagiert der Körper psychiatrischer Patienten mit einer Agranulozytose einem oft blitzartig auftretenden lebensbedrohlichen Absterben weisser Blutkörperchen, vor allem von Granulozyten.[…] Leukozyten (weisse Blutkörperchen) gelten gleichsam als Gesundheitspolizei des Körpers, […] Eine erhöhte Leukozytenzahl weist hin auf einen akuten Abwehrkampf des Immunsystems, eine dramatisch verringerte Leukozytenzahl auf die Niederlage im Abwehrkampf. Ärzten sind verschiedene Symptome bekannt, die einer Agranulozytose vorausgehen können, unter anderem Abgeschlagenheit, […] Lymphknotenschwellungen, verzögerte Wundheilung, „Grippe ohne Grippe“, Angina, Fieber, Schwitzen, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit, Entzündungen von Zunge, Mundschleimhaut […] Als wesentliches Vorzeichen der Agranulozytose gilt die krankhaft verminderte Zahl weisser Blutkörperchen.

 

Serotonin-Syndrome werden als selten oder in unbekannter Häufigkeit auftretende unerwünschte Reaktionen auf SRI, SNRI und NASSA genannt. Auch unter atypischen Neuroleptika kann dieser lebensgefährliche Symptomenkomplex auftreten. Seine Symptomatik ähnelt dem malignen neuroleptischen Syndrom. Ausgelöst wird das Serotonin-Syndrom durch eine Anhäufung von Serotonin oder Serotonin-ähnlich wirkenden Substanzen im Körper oder durch schnelle Aufdosierung. Als Symptome zeigen sich Veränderungen der psychischen Verfassung (zum Beispiel Ruhelosigkeit, Agitiertheit und Verwirrtheit), Denkstörungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Fieber, Schweissausbrüche, Schüttelfrost, Herzjagen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, labiler oder erhöhter Blutdruck […] rasche, unwillkürliche Muskelzuckungen. Ist zusätzlich zur allgemein erhöhten Erregung der Muskulatur auch noch die Atemmuskulatur einbezogen, wird der Zustand lebensbedrohlich, der Patient kann ins Koma fallen, Krampfanfälle und ein tödliches Hertzversagen erleiden.

 

Als Unverträglichkeit bei neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika kann das maligne neuroleptische Syndrom auftreten, ein lebensbedrohlicher Symptomkomplex aus Fieber über 40°C, Muskelstarre und Bewusstseinstrübung bis zum Koma. Manchmal geht das Syndrom einher mit Hyperthermie, einer Überwärmung des Organismus […] Die ratiopharm GmbH informiert: „Die Entwicklung potenziell lebensbedrohender Syndrome wie das Serotonin-Syndrom oder das maligne neuroleptische Syndrom wurde bei selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs) einschliesslich der Behandlung mit Sertralin berichtet.“ (2016, S.1) Serotonin-Syndrome und maligne neuroleptische Syndrome würden einander ähneln; angesichts der erheblichen Gefahr müssten die Psychopharmaka beim Auftreten solcher Ereignisse sofort abgesetzt und lebensrettende Massnahmen eingeleitet werden […] Zinovi-Aventis für Amisulprid: „Wie bei allen Neuroleptika kann es zu einer potenziell lebensbedrohlichen Komplikation, dem malignen neuroleptischen Syndrom kommen, das durch Hyperthermie, Muskelsteifheit, vegetative Störungen, Bewusstseinsstörungen und eine Erhöhung der CPK (Kreatin-Phosphokinase) gekennzeichnet ist“ (sanofi-aventis schweiz ag, 2016

 

Das Enzym Kreatin-Phosphokinase, dessen Konzentration im Blut bei vielen atypischen Neuroleptika erhöht ist, gilt als Marker für Schäden an der Skelettmuskulatur und am Herzen.

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Augenschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/augenschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/augenschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 08:25:05 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7985

Veränderungen am Auge (wie beispielsweise erhöhter Augeninnendruck) werden bei den meisten Antidepressiva und Neuroleptika als mögliche unerwünschte Wirkung genannt. Bleibt der erhöhte Augeninnendruck lange Zeit unbemerkt, kann sich ein grüner Star (Glaukom) entwickeln […] Vor einer Neuroleptika-Verordnung empfahlen manche Psychiater in ihren Lehrbüchern schon vor Jahrzehnten grundsätzlich eine augenärztliche Untersuchung, speziell wegen der Verschlechterung eines möglicherweise bereits vorhandenen Grünen Stars (Degwitz, 1967, S.151; Benkert & Hippius, 1980, S. 100).

 

Eine spezielle Form des Grünen Stars ist das auch durch neue Antidepressiva auslösbare Engwinkelglaukom. Ein gestörter Abfluss der Flüssigkeit im Bereich der Augenkammern, hervorgerufen durch eine verengte Stelle zwischen Iris (Regenbogenhaut) und der Hornhaut im Kammerwinkel (Struktur in der vorderen Augenkammer, die von Iris und Hornhaut gebildet wird), kann ebenfalls zur Erblindung führen, wenn er weder erkannt noch behandelt wird.

 

Da der Grüne Star (einschliesslich Engwinkelglaukom) sich schleichend entwickelt und die Symptome in der Regel subjektiv erst wahrgenommen werden können, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, kann einzig der Augenarzt durch die Untersuchung an der Spaltlampe erkennen, ob sich ein Glaukom entwickelt. […]

 

Pigmentablagerungen in der Hornhaut und Linse, wie sie bei Neuroleptika auftreten können, gelten als Risikofaktoren für den Grauen Star (Katarakt). Die Einlagerungen, die aus Abbauprodukten von Neuroleptika entstehen, können die Linse eintrüben. Ein Grauer Star entsteht sehr langsam, die Sicht trübt sich ein, was ebenfalls zu Sehverlust bis Blindheit führen kann.

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Hormon- und Sexualstörungen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/hormon-und-sexualstoerungen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/hormon-und-sexualstoerungen/#respond Sun, 01 Sep 2019 08:20:52 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7987

„Zwar gibt es umfangreiche Nachweise dafür, dass Antidepressiva vor allem der SSRI-Gruppe sexuelle Funktionsstörungen bei Männern und Frauen verursachen; die Schätzung ihres genauen Vorkommens ist schwierig. Die berichteten sexuellen Probleme sind umfangreich und reichen von vermindertem sexuellem Verlangen, verminderter sexueller Erregung, vermindertem oder verzögertem Orgasmus bis hin zu Erektionsproblemen oder verzögertem Samenerguss. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Hinweisen und Fallberichten über sexuelle Nebenwirkungen wie Priapismus, schmerzhafte Ejakulation, Empfindungslosigkeit am Penis, verminderte nächtliche Erektionen und spontan Ejakulation bei Männern sowie verlorene Empfindungen in der Scheide und an den Brustwarzen, anhaltende genitale Erregung und Milchbildung und –absonderung aus den Brustdrüsen ausserhalb der Stillzeit bei Frauen.“ (Higgis et al., 2010, S.149)

 

Berichten in psychiatrischen Zeitschriften zufolge soll die Häufigkeit solcher Störungen bei 30-50% (Prabhakar & Balon, 2010) oder noch höher (Balon, 2006) liegen. Zu Erkrankungen der Prostata äussern sich Hersteller und Verordner neuer Antidepressiva und atypischer Neuroleptika nur ausnahmsweise; dabei können die häufig auftretenden Blasenentleerungsstörungen deutliche Anzeichen für eine gut- oder bösartige Vergrösserung der Prostata sein.

 

Auch unter atypischen Neuroleptika treten vielfältige Sexualstörungen auf. Die ratiopharm GmbH (2013, S.3) informiert zu ihrem Amisulprid, die Prolaktin-Erhöhung führe zu spontanem Austreten von Muttermilch aus den Brustdrüsen, zum Ausbleiben der Regelblutung oder zur Zyklusstörungen, zu ein- oder beidseitiger Vergrösserung der männlichen Brustdrüsen, zu Brustschmerz und –vergrösserung, zu Prolaktinomen (gutartigen Tumoren der Hirnanhangsdrüse) sowie zu gestörter oder fehlender Erektion des Penis bei sexueller Erregung. Nach Absetzen des Neuroleptikums würde die erhöhte Prolaktin-Konzentration allerdings wieder zurückgehen. […]

 

In ihrer Information zu Haloperidol erwähnt die neuraxpharm-Arzneimittel GmbH (2014b, S.3) Experimente an organischen Gewebekulturen, die dafür sprechen, dass etwa ein Drittel der menschlichen Mammatumore (Tumore der Brustdrüse) Prolaktin-abhängig seien. Die Janssen-Cilag AG informiert ähnlich: „Mammatumore können die Folge erhöhter Prolaktinkonzentrationen im Blut sein. Zahlreiche Antipsychotika rufen auch beim Menschen eine Hyperprolaktinämie (erhöhte Prolaktin-Konzentration im Blut) hervor.“ (2015)

 

Tumore können bösartig werden, Tumore der Brustdrüsen können sich zu Brustkrebs entwickeln, in seltenen Fällen auch bei Männern. In welch hohem Ausmass Patientinnen psychiatrischer Anwendungen von Brustkrebs bedroht sind, geht aus einer Studie von Uriel Halbreich und Kollegen der Gynäkologischen Abteilung der State University of New York in Buffalo hervor. Halbreich und Kollegen verglichen Mammographien (Röntgenaufnahmen von Brüsten) von 275 Frauen, die älter als 40 waren und zwischen 1988 und 1993 im Buffalo Psychiatric Center behandelt wurden, mit Mammographien von 918 Patientinnen des Erie County Medical Center, einem Allgemeinkrankenhaus. Die beunruhigenden Ergebnisse führten sie unter anderem auf die durch Neuroleptika, Antidepressiva und Elektroschocks bedingte erhöhte Prolaktinausschüttung zurück: „Das Vorkommen von Brustkrebs, das durch Krankenberichte dokumentiert ist, war bei den psychiatrischen Patientinnen um mehr als das 3,5-fache höher als bei den Patientinnen des Allgemeinkrankenhauses und 9,5 mal höher, als man es von der Durchschnittsbevölkerung berichtet. Schlüsse: Falls bestätigt, könnte das befürchtete höhere Brustkrebsvorkommen unter der psychiatrischen Patientinnen den Medikamenten geschuldet sein.“ (1996, S.559)

 

In einer neueren Studie wertete man umfangreiche Datenbanken aus dem US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey aus und identifizierte dabei 52.819 Frauen, die alle möglichen Substanzen mit Dopamin-hemmender Wirkung, darunter Neuroleptika, erhalten hatten. Diese Frauen wurden mit einer ähnlichen Zahl von Frauen verglichen, die solche Substanzen nicht erhalten hatten. Man fand heraus, dass Dopamin-blockierende Substanzen mit einem 16%igen Anstieg des Brustkrebsrisikos verbunden waren (Wang et al., 2002). Fettleibigkeit, wie sie von vielen Antidepressiva und Neuroleptika hervorgerufen wird, ist ein weiterer Risikofaktor für Brustkrebs. 2003 machten Halbreich und seine Kollegin Linda Kahn auf das spezielle Brustkrebsrisiko bei Risperidon aufmerksam:

 

„Man hat auch nachgewiesen, dass das neuartige Antipsychotikum Risperidon den Prolaktin-Spiegel erhöht. Patienten, die einer Behandlung mit diesem Medikament unterzogen werden, haben ein hohes Risiko, eine Hyperprolaktinämie zu entwickeln. Diese geht einher mit einer verminderten Knochenmineraldichte, Osteoporose (Knochenschwund), Menstruationsstörungen und Unfruchtbarkeit, Galaktorrhoe (spontanes Austreten von Muttermilch aus den Brustdrüsen), Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sexueller Beeinträchtigung.“ (344)

 

Die vom erhöhten Prolaktin-Spiegel ausgelösten Sexualstörungen aller Art können als Frühwarnsymptome von Geschwulstbildungen in den Brustdrüsen verstanden werden. […]

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Herzschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/herzschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/herzschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 07:45:03 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7989

Herzrhythmusstörungen und sonstige Herzkomplikationen sind bei allen neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika als Risiken bekannt. Diese Substanzen können den Kaliumspiegel im Blut verringern, wodurch die neuromuskuläre Erregbarkeit gesenkt wird und Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden. […] Die Rhythmusstörungen sind mit krankhaft erhöhter oder erniedrigter Herztätigkeit verbunden und können erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. […]

 

Ein beschleunigter Herzrhythmus kann als einfaches Herzjagen (Tachykardie) auftreten, als Sinus-Tachykardie mit einer Herzfrequenz von mehr als 100 Schlägen pro Minute oder als Vorhofflimmern. […] Hält das Vorhofflimmern an, steigt das Thromboserisiko. Geht das Vorhofflimmern in eine ventrikuläre (von den Herzkammern ausgelöste) Tachykardie oder gar in Kammerflimmern über, einer Herzstörung mit stark erhöhter Kammerfrequenz (über 320 Schläge pro Minute), kann dies zu Schlaganfall, Herzinfarkt und plötzlichem Tod führen.

 

Frühwarnzeichen für diese Herzschäden sind Extrasystolen (vorzeitige Herzschläge) und sonstige Unregelmässigkeiten des Herzschlags. Kammerflimmern und Herzinfarkte können sich mit neuen oder sich plötzlich verschlechternden Symptomen ankündigen, wie beispielsweise Erschöpfungszuständen, Bewusstseinstrübung, Ohnmacht, Herzklopfen, Engegefühl und Schmerzen in der Brust sowie Luftnot bei Belastung und Verstärkung bei Kältereiz.

 

Möglich ist auch eine verlangsamte Herztätigkeit mit weniger als 60 Herzschlägen pro Minute, gelegentlich einhergehend mit Schwindelzuständen und Synkopen und verbunden mit dem Risiko der QT-Verlängerung. Hierunter versteht man die Verlängerung der Zeitspanne im Elektrokardiogramm von Beginn der Q-(Depolarisation) bis zum Ender der T-Zacke (Repolarisation). […] Begleitsymptome der verlangsamten Herztätigkeit, die man durch Ertasten des eigenen Pulses erkennen kann, sind Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. In der Folge kann eine Torsade de pointes („Spitzenumkehr-Kammertachykardie“) entstehen, das heisst eine Form des Herzkammerflatterns mit wellenartig verlaufenden und möglicherweise in lebensbedrohliches Kammerflimmern übergehenden Herzkammerausschlägen. Äusserlich kann man eine Torsade de pointes an schnellem und unregelmässigem Herzschlag und Ohnmachtsanfällen erkennen. […]

 

Vorzeichen einer QT-Verlängerung oder auch eines AV-Blocks […] können Ärzte erkennen, wenn sie die Notwendigkeit sehen, die vom Sinusknoten über die Vorhöfe und den AV-Knoten in die Kammern verlaufende Erregung des Herzens im EKG in ihrer zeitlichen Abfolge aufzuzeichnen, und sie diese zu lesen verstehen. Aber selbst identifizierte Störungen bei psychiatrischen Patienten müssen nicht dazu führen, dass die Antidepressiva oder Neuroleptika abgesetzt werden. Ärzte seien sich uneins, ab welchem Grad einer QT-Verlängerung abzusetzen sei. Etienne Delacrétaz von der Klinik und Poliklinik für Kardiologie des Berner Inselspitals schreibt: „Ist die Behandlung wichtig und besteht keine therapeutische Alternative, akzeptieren die meisten Spezialisten/-innen – sofern die Verträglichkeit gut ist und im 24-Stunden-EKG keine Arrhythmien vorliegen – noch einen QTc-Wert von 500 ms.“ (2007, S.818)

 

Mainstream-Psychiater halten ihre Psychopharmaka in der Regel für wichtig, gut verträglich und alternativlos.

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/erkrankungen-der-bauchspeicheldruese/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/erkrankungen-der-bauchspeicheldruese/#respond Sun, 01 Sep 2019 07:34:21 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7992

Neue Antidepressiva und atypische Neuroleptika können Störungen der Bauchspeicheldrüse bewirken. Insbesondere Clozapin und Olanzapin sind bekannt dafür, dass sie über Bauchspeicheldrüsen- und Hormonstörungen in erhöhtem Ausmass zu Übergewicht, Fettleibigkeit und Hyperglykämie, das heisst einem Anstieg des Zuckers im Blut, führen können. Hyperglykämie ist mit Glukose- und Energiemangel in den Muskel- und Fettzellen verbunden und kann Funktionsstörungen im Gehirn und an anderen Organen hervorrufen, ebenso eine Insuliresistenz. Übergewicht geht mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko einher. Mit dem Übergewicht steigt auch das Risiko einer Erkrankung an Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf– und Atemwegsstörungen, Brust-, Gebärmutter-, Darm-, Gallenblasen-, Bauchspeicheldrüsen-, Nierenzell- und Speiseröhrenkrebs. Warnzeichen für krankhafte Reaktionen der Bauchspeicheldrüse sind zunehmender Hüftumfang und ansteigender Body-Mass-Index. […]

 

Monika Kellerer, ärztliche Direktorin der Klinik für Diabetologie, Endokrinologie, Gefässmedizin und Intensivmedizin am Marinehospital Stuttgart, […] warnt ganz allgemein:

 

„Die beiden Hauptursachen für die Entstehung des Typ 2 Diabetes sind nach heutiger Kenntnis die Insulinresistenz, die einen gesteigerten Insulinbedarf hervorruft, sowie die ungenügende Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse, diesen Insulinbedarf zu decken. Unter Insulinresistenz versteht man eine verminderte Empfindlichkeit des Gewebes (hauptsächlich Muskel-, Leber- und Fettgewebe) gegenüber dem Hormon Insulin. Diese reduzierte Sensibilität der Körperzellen auf Insulin beeinträchtigt seine Wirkung. Die Bauchspeicheldrüse produziert deshalb immer mehr Insulin, bis sie sich erschöpft und zuletzt den Dienst versagt.“ (Kellerer, 2001)

 

Zuckerkrankheit zählt zu den unerwünschten Wirkungen vieler neuer Antidepressiva und atypischer Neuroleptika.

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Leberschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/leberschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/leberschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 07:20:54 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7995

Fettstoffwechselstörungen sind allgemein auftretende unerwünschte Wirkungen bei neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika. Hersteller weisen auf speziell erhöhte Blutfettwerte hin wie Transaminase (einschliesslich Alamin- und Aspartat-Aminotransferase), Alkalische Phosphatase, Gamma-Glutamyl-Transferase und Cholesterin. Zeigt ein Blutbild erhöhte Transaminase-Werte, weist dies meist auf eine Störung oder Schädigung der Leber hin. Erhöhte Cholesterinwerte fördern nicht nur eine Insulinresistenz, sondern weisen auch auf Gallenwegserkrankungen und Leberschädigungen hin und fördern Arterienverkalkung und Erkrankungen der Herzkranzgefässe. Solche Veränderungen verlaufen oft über lange Zeit symptomfrei, führen mit der Zeit aber zu Ablagerungen von Fett, Thromben, Bindegewebe und Kalk in den Blutgefässen und zur Verhärtung des Bindegewebes und der Gefässwände. […]

 

Erhöhte Leberenzym- und Cholesterinwerte gelten als schwerwiegende Risikofaktoren und Warnzeichen für Arterienverkalkung und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. […]

 

Erhöhte Leberenzymwerte sind Frühwarnzeichen und weisen auf die Gefahr einer Leberschädigung hin. Werden lebertoxische Stoffe weiter eingenommen, kann sich eine Leberfibrose bilden, das heisst der Umbau der Leberzellen in Bindegewebe. Daraus wiederum kann eine Leberzirrhose (Schrumpfleber) werden: eine chronische Erkrankung der Leber, einhergehend mit irreparabler Zerstörung des Lebergewebes und schliesslich mit Leberversagen.

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Blutdruck- und Gefässstörungen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/blutdruck-und-gefaessstoerungen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/blutdruck-und-gefaessstoerungen/#respond Sun, 01 Sep 2019 06:59:18 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=8003

Bluthochdruck, wie er von neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika ausgelöst werden kann, ist ein wesentlicher Risikofaktor für Thromboembolien (Verschluss eines gesamten Gefässastes), Schlaganfälle, Herz- Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz sowie für Nieren– und Gefässerkrankungen. Neben Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen, hohem Salzkonsum und familiärer Neigung zu erhöhtem Blutdruck begünstigen neue Antidepressiva und atypische Neuroleptika einen erhöhten Blutdruck. Bluthochdruck gilt Medizinern als „stille Gefahr“, da er häufig unauffällig entsteht. […]

 

Fast alle Antidepressiva und Neuroleptika können Gefässveränderungen bewirken. Eine mögliche Konsequenz bei Männern ist Priapismus, eine schmerzhafte, ohne Frühwarnsymptome auftretende Dauererektion des Penis. Zustande kommt der durch einen verminderten Abfluss von venösem Blut aus den Schwellkörpern oder durch vermehrten Zufluss von arteriellem Blut in die Schwellkörper. Hersteller von Psychopharmaka, in dem Fall von Paliperidon […] raten verschreibenden Ärzten: „Patienten sollen darüber informiert werden, dringend ärztlichen Rat einzuholen, wenn sich der Priapismus nicht innerhalb von 4 Stunden zurück gebildet hat.“ (Janssen-Cilag international NV, 2016, S.3) Im Gegensatz zu der empfohlenen Abwartehaltung raten Urologen, zur Vermeidung bleibender Funktionsstörungen Priapismus als Notfall einzustufen und sofort mit der Behandlung zu beginnen. Ärzte können dann Blut absaugen, einen Eisbeutel anlegen oder das durchblutungsfördernde und Schwellungsabbauende Medikament Heparin spritzen […] Warte man zu lange, könne sich eine Thrombose bilden und Gewebe absterben.

 

Übergewicht, Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck sind allesamt mögliche unerwünschte Wirkungen von Antidepressiva und Neuroleptika, insbesondere atypischer Neuroleptika. Diese Kombination von Symptomen, auch „tödliches Quartett“, Reavan-Syndrom, Syndrom X oder metabolisches Syndrom genannt, gilt als besonders gefährlich, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auszulösen.

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Zahnschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/zahnschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/zahnschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 06:50:37 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=8005

Zahnerkrankungen nennen erfahrungsgemäss nur wenig Hersteller als Risiken ihrer Produkte, und wenn ja, haben sie wenig Vorstellung von der Häufigkeit ihres Vorkommens. Begünstigt wird dieser Umstand dadurch, dass fast 98% der Allgemeinbevölkerung an Karies erkrankt ist, eine schädliche Wirkung von Antidepressiva und Neuroleptika somit nicht auffällt. Laut Dieter Hermann (1985) vom Fachbereich Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Freien Universität Berlin kommt es durch die schlechte Mundhygiene, die durch die ruhigstellende Wirkung vieler Antidepressiva und Neuroleptika gefördert wird, häufig zu Karies (Zahnfäule) und Parodontolopathien (Entzündungen des Zahnfleischeses und Zahnhalteapparates mit Zahnlockerung und Zahnverlust aller Art).

 

Eine von mehreren Ursachen ist der Psychopharmaka- bedingte verringerte Speichelfluss, der zu Mundtrockenheit führt, den natürlichen Speichelspülungseffekt vermindert und Mineralien aus der Zahnhartsubstanz herauslöst. Bei diesem Prozess wird der Zahnschmelz kreidig und brüchig, das Zahnbein gummiartig weich. Karies kann sich schnell ausbreiten, der Zahnhalteapparat kann sich entzünden (Parodontitis), Zähne lösen sich. Begünstigt wird dieser Prozess von andauernden Mahlbewegungen der Kiefer und vom nächtlichen Pressen und Malen mit den Zähnen […] Frühwarnzeichen von Zahnschäden sind erhöhte Kalt- und Heissempfindlichkeit, wiederkehrende oder ständige Zahnschmerzen, „Ziehen“ beim Genuss bestimmter Nahrungsmittel, Mundgeruch und Lockerung von Füllungen.

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Nierenschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/nierenschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/nierenschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 06:47:13 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=8007

Nieren filtern die nicht verwendbaren Stoffe aus dem Organismus und scheiden sie zusammen mit überflüssigem Wasser als Harn aus. Zudem regulieren sie den Elektrolyt- und Wasserhaushalt des Körpers, sind an der Produktion von Vitaminen und Hormonen beteiligt und beeinflussen unter anderem den Knochenstoffwechsel und die Regulierung des Blutdrucks. Auch neue Antidepressiva und atypische Neuroleptika haben eine Vielzahl von Nierenschäden zur Folge, die gefährliche Ausmasse annehmen können.

 

Schwierigkeiten beim Wasserlassen, eine bei neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika häufig auftretende Störung, kann bei voller Ausbildung der Unfähigkeit zur Blasenentleerung zum Harnverhalt, darüber zu Nierenstau und ohne sofortige Behandlung zur chronischen Schädigung der Niere und deren kompletten Versagen führen. Frühwarnzeichen eines Nierenstaus sind anhaltende Blasenentleerungsstörungen. Ein Nierenversagen kann auch Folge einer Rhabdomyolyse sein, das heisst, einer Degeneration von Muskelzellen in relativ grosse, klobige Proteine, die in den Nierenkanälchen stecken bleiben. […] Wichtiges Anzeichen einer Rhabdomyolyse ist eine rotbraune Verfärbung des Urins, bedingt durch eine erhöhte Ausscheidung des roten Muskelfarbstoffes. Im Vorfeld können als Folge der Muskelschädigung unter anderem Schmerzen, Krämpfe und Verspannungen der Muskulatur auftreten.

 

Übermässige oder schmerzhafte Urinausscheidung, Blasenschwäche, häufiger Harndrang, mehrmaliges Wasserlassen in kleinen Mengen – ebenfalls mögliche Folgen von Antidepressiva und atypischen Neuroleptika – können Symptome sich entwickelnder Nierenerkrankungen bis hin zum Nierenversagen oder einer Zuckerkrankheit sein. Warnzeichen für diese chronischen Störungen kann ein anhaltender Harndrang über mehrere Tage oder Wochen in einer starken Intensität oder die Ausscheidung von mindestens 2 Litern Urin innerhalb eines Tages sein, ebenso extreme Müdigkeit, Schmerzen während des Wasserlassens oder Beschwerden im Unterleib auf Höhe der Nieren.

 

Eine interstitielle Nephritis, das heisst eine entzündliche Erkrankung der Nierenkanälchen und des angrenzenden Zwischenraums, wie sie durch atypische Neuroleptika ausgelöst werden kann, führt im schlimmsten Fall ebenfalls zum Nierenversagen. Diese Krankheit entwickelt sich schleichend. […] Erst wenn mehr als 50 Prozent des Nierengewebes zerstört ist, wird der Funktionsverlust der Nieren mit den üblichen Untersuchungsmethoden erkennbar. Schmerzen im Nierenbereich gelten als Warnzeichen, ebenso verfärbter, getrübter und geschäumter Urin, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Bluthochdruck, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe wie angeschwollene Hände, Füsse, Augenlider oder andere Gesichtspartien.

 

Ein weiteres Risiko unter neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika ist das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH). Hierunter versteht man die abnorm hohe Ausschüttung des Antidiuretischen Hormons (ADH), die zu einer geringen Flüssigkeitsausscheidung über die Niere führt und demzufolge zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Persönlichkeitsveränderungen (erhöhte Reizbarkeit oder Lethargie), Verwirrtheit bis hin zum Delir und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Als Frühwarnzeichen eines SIADH gelten Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Übelkeit Erbrechen und Hautschwellungen.

 

Hyponatriämie ist eine weitere mögliche „Neben“- Wirkung der neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika. Darunter versteht man eine verminderte Konzentration von Natriumionen im Blut. Im Körper, und vor allem ausserhalb der Zellen, kommt Natrium als positiv geladenes Teilchen vor und trägt zum Aufbau der elektrischen Spannung an den Zellmembranen bei. Daher ist Natrium für die Weiterleitung von Nervenimpulsen, für den Herzrhythmus und die Tätigkeit der Muskeln wichtig. Schwankt die Natrium-Konzentration auch nur gering, wird die Übertragung von Nervenimpulsen gestört, und insbesondere bei zu niedrigen Werten können vielfältige Störungen auftreten. Auch für die Wasserverteilung im Körper spielt Natrium eine wichtige Rolle. […] Gemeint ist das physiologische System der Aufnahme und Abgabe von Wasser und die damit verbundene Regulierung der Konzentration von Elektrolyten, das heisst positiv und negativ geladener Teilchen. Dadurch wird im Körper die Flüssigkeitsverteilung bestimmt, eine unverzichtbare Grundlage aller Lebensvorgänge, wichtig auch für die Befeuchtung der Gelenke und der Augen, für die Verdauung und Ausscheidung von Abbauprodukten und organschädigenden Substanzen ebenso für das notwendige Gleichgewicht von Mineralien. In ihrer Fachinformation zu Sertralin beschreibt die Sandoz Pharmaceuticals AG die Konsequenzen, die eine Hyponatriämie nach sich ziehen können: „Hyponatriämie kann als Folge der Behandlung mit SSRIs (einschliesslich Sertralin) oder SNRIs auftreten. (…) Bei Patienten mit einer symptomatischen Hyponatriämie sollten ein Absetzen von Sertralin in Betracht gezogen und angemessene medizinische Massnahmen getroffen werden. Symptome einer Hyponatriämie sind Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Schwächegefühl, welches zu Stürzen führen kann. In schweren und / oder akuten Fällen können auch Halluzinationen, Synkopen, Krampfanfälle, Koma, Atemstillstand und Tod auftreten.“ (2015c)

 

[…] Bei älteren Patienten kann bereits eine milde Hyponatriämie fatale Folgen haben. Mediziner nennen noch weitere Symptome, die rückblickend am Beginn einer sich entwickelnden Hyponatriämie standen, beispielsweise Lethargie, depressive Verstimmung und vermehrtes Auftreten von Knochenbrüchen bedingt durch Gangstörungen und Aufmerksamkeitsdefizite.

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

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Muskelschäden https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/muskelschaeden/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/muskelschaeden/#respond Sun, 01 Sep 2019 06:38:56 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=8010

Dyskinesien (Muskelstörungen wie Hyperkinesie, Dystonien und Bewegungsstereotype und andere gestörte Bewegungsabläufe) können schon nach kurzer Verabreichungszeit als Zeichen schädlicher neurologischer Wirkungen auftreten – besonders häufig bei Neuroleptika, auch bei atypischen, bei Antidepressiva ebenso. Neben der weiteren Verordnung der auslösenden Substanzen trotz erkennbarer muskulärer Unverträglichkeitszeichen gilt die dauerhafte parallele Unterdrückung der Symptome mittels Antiparkinsonmittel als weiterer Risikofaktor. Die Symptome sind so vorübergehend nicht mehr sichtbar, sie können sich nicht mehr entäussern, jedoch verfestigt sich der zugrundeliegende Schaden im zentralen Nervensystem und kann chronisch werden. […] Ist der Schaden chronisch, sprechen Psychiater von einer tardiven, das heisst „späten“ Dyskinesie. Hersteller informieren, dass Dyskinesien schon vier Wochen nach der Erstverabreichung chronisch werden können. Kausale medizinische Behandlungsmöglichkeiten sind nicht bekannt. Die Schädigung ist immer quälend und oft entstellend. Sie führte in der Vergangenheit gelegentlich zu erfolgreichen Schadenersatzklagen. Tardive Dyskinesien können auch unter neuen Antidepressiva und atypischen Neuroleptika entstehen.

 

Muskelzittern und andere Muskelstörungen sind mögliche Vorboten einer tardiven Dyskinesie. Manche Psychiater nutzen den Zungenruhighaltetest zur Früherkennung, da das feine Zittern der Zunge als Zeichen einer entstehenden tardiven Dyskinesie gilt. […] Treten Muskelstörungen, insbesondere Krämpfe im Zungen-Schlund-Bereich auf (Laryngospasmen), kann dies zur Aspiration (Ansaugung von Blut oder Erbrochenem in die Luftröhre oder in die Bronchien) führen. […] Frederick Zugibe (1980), Herz und Gerichtsmediziner im Rockland County im Bundesstaat New York, erklärte die physiologische Ursache dieser Störung: Normalerweise hebe sich der Gaumen und verschliesse die Luftröhre reflexartig, wenn beim Schluckvorgang ein Speisestück den hinteren Zungenteil berühre; dieser Schluckreflex könne durch Neuroleptika ausser Kraft gesetzt werden. Symptome, die mit Aspiration und Asphyxien einhergehen und als Warnzeichen angesehen werden können, sind allgemeines Schwächegefühl, abnorme Kribbelempfindungen, Beklemmungsgefühle, Schluckstörungen, Gefühl der verstopften Nase, Atemnot, erhöhte Speichelabsonderung, Appetitstörungen mit Übelkeit bis Erbrechen, kolikartige Schmerzen und krampfartige Durchfälle, Muskelschmerzen, Schwindel und schliesslich das Auftreten eines Parkinsonismus mit Muskelzittern und –steifheit, Propulsion (Neigung beim Gehen, immer schneller vorwärtszuschiessen), Salbengesicht und mimische Starre.

 

 

Aus dem Buch: „Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika“ Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen, Peter Lehmann, Volkmar Aderhold, Marc Rufer, Josef Zehentbauer, 2017, P.Lehmann Publishing

 

Anmerkung B. Zürcher: eine unangenehme Nebenwirkung sind die sogenannten „Blickkrämpfe“ (fachsprachlich: okulogyre Krise) welche ich im Alltag mit Menschen unter Psychopharmaka beobachte.

 

 

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