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Die Neue Medizin der Emotionen Depression, Zukunftsangst und Stress durch Überforderung sind die Krankheiten unserer modernen Gesellschaft. Der Neurologe und Psychiater David Servan-Schreiber stellt sieben wissenschaftlich überprüfte Behandlungsmethoden vor, die zeigen, dass diese Krankheiten alle heilbar sind. Und zwar ohne Medikamente und jahrelange Psychotherapie, sondern durch die Mobilisierung des „emotionalen Gehirns“ und seiner Selbstheilungskräfte. 

 

Statt Psychiatrie 2 Das große Buch über Alternativen zur Psychiatrie in aller Welt, über die aktuellen Ansätze von Selbsthilfe und nichtpsychiatrischen Alternativen im Falle akuter psychischer Probleme sowie Wege zu einer Behandlung, die die Menschenrechte respektiert.

 

Der achtsame Weg durch die Depression Dieses Buch wurde für all jene geschrieben, die an Depression oder chronischer Unzufriedenheit leiden und auf der Suche nach einem Weg sind, ihr Leben zufriedener und ausgeglichener zu gestalten. Die Anwendung der Achtsamkeitspraxis in der Begleitung und positiven Beeinflussung von Depressionen, kurz MBCT, verhilft derzeit der Achtsamkeitspraxis auch in der psychotherapeutischen Anwendung zum Durchbruch.

 

Der Weg aus dem Grübelkarussell Achtsamkeit hilft, Negativschleifen im Kopf zu erkennen und zu beenden: Schwierige Gedanken verlieren Schritt für Schritt ihre Macht und eine mitfühlende, freundliche Haltung sich selbst gegenüber kann entstehen. Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie MBCT (Mindfulness-Based-Cognitive Therapy) ist ein hoch effektiver Weg, um heilsam mit schmerzlichen Gedanken und Gefühlen umzugehen. Dabei hilft MBCT nicht nur Menschen mit Depressionen, sondern allen, die unter hohem Stress oder wiederkehrenden negativen Gedanken leiden.

 

 


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Körperliches Training ist eine erstaunlich gute Behandlung https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/05/koerperliches-training-ist-eine-erstaunlich-gute-behandlung/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/05/koerperliches-training-ist-eine-erstaunlich-gute-behandlung/#respond Wed, 22 May 2019 20:16:58 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=6696

„Diese Feststellung machen wir immer wieder, dass, wenn wir gehen und dadurch unser Körper in Bewegung kommt, dann auch unser Denken in Bewegung kommt.“

Thomas Bernhard

 

Da ich psychisch schwierige Zustände aus eigener Erfahrung kenne, erlebe ich immer wieder an mir selber, wie gut mir die Bewegung tut. Für mich ist zusätzlich zu der Bewegung das in der Natur sein eine grosse Unterstützung. Daher hätte bei mir ein „Hometrainer“ nicht dieselbe Wirkung. Aber für Menschen, welchen es aus den verschiedensten Gründen nicht möglich ist, in die Natur zu gehen, ist ein Hometrainer wie hier beschrieben sicher Gold wert:

 

„Es gibt noch einen anderen Zugang zum emotionalen Gehirn, der vollständig über den Körper verläuft. Obwohl auch er seit Hippokrates bekannt ist, wird er im Westen in gleicher Weise vernachlässigt wie die Ernährung. Seltsamerweise ignorieren ihn vor allem jene, die unter Stress und Depressionen leiden – unter dem Vorwand, sie hätten nicht die Zeit oder aber nicht die notwendige Energie dafür. Dabei handelt es sich jedoch um eine der reichsten und wissenschaftlich am besten erforschten Quellen der Energie. Es geht um körperliches Training. Sogar in sehr niedriger Dosierung wie wir gleich sehen werden[…]

 

Körperliches Training ist eine erstaunlich gute Behandlung bei Angstzuständen. Es wurden zahlreiche Untersuchungen dazu durchgeführt […] In einer Untersuchung befassten sich die Wissenschaftler speziell mit dem Nutzen von Heimtrainern. Demnach zeigte sich bei der Mehrheit der Teilnehmer ein Zuwachs an Energie, und zugleich fühlten sie sich entspannter. Aus der Untersuchung ging weiter hervor, dass die positiven Wirkungen auch nach einem Jahr noch Bestand hatten, zumal die grosse Mehrheit der Teilnehmer von sich aus beschlossen hatte, das Training regelmässig fortzusetzen“. (Servan-Schreiber, 2006: 178,182)

 

Bei mir gibt es zwei Zustände, bei denen ich weiss, dass ich rausgehen und mich bewegen muss. Der eine ist dann, wenn ich innerlich sehr angetrieben bin, nicht zur Ruhe komme, diverse Ängste und Wahrnehmungen in mir trage die mich verunsichern. Ich bin völlig überreizt und kann nicht schlafen. In dem Zustand helfen mir zügige, stundenlange Wanderungen. Stundenlang müssen sie sein, weil sonst der erwünschte Effekt- nämlich das Schlafen können- ausbleibt. Weil ich in diesem Zustand sowieso angetrieben bin, braucht die Bewegung keine Überwindung. Dann gibt es aber auch den gegenteiligen Zustand, ein Zustand, in dem ich kaum aus dem Bett komme und mich zu nichts aufraffen kann. Ich muss mich dann zu jeder Handlung zwingen. Neulich habe ich gelesen wie jemand trefflich beschrieben hat: „Ich musste mich förmlich aus dem Bett prügeln“. So geht es mir jeweils auch. Stundenlange Spaziergänge sind dann jeweils überhaupt nicht möglich. Aber bereits das Aufstehen, Anziehen und Rausgehen, auch wenn es nur 20 Minuten sind, ist hilfreich. Es geht mir danach nicht „blendend“ aber entschieden besser als vorher, weil die Bewegung mir in meiner Wahrnehmung dabei hilft „aus dem Kopf“ und „in den Körper“ zu kommen. Menschen in depressiven Phasen erlebe ich oft als vollkommen „im Kopf“ und in stets denselben „Gedankenkreisen“ gefangen, die nichts „Neues“, „Lebendiges“ mit sich bringen. Oft haben sie eiskalte Füsse und Hände. Sowohl für die kalten Extremitäten wie für das Gedankenkreisen kann Bewegung sehr hilfreich sein:

 

„Ein Merkmal von Ausdauer Training ist gerade, dass es erlaubt, zumindest zeitweilig den ständigen Fluss düsterer Gedanken aufzuhalten. Beim Training tauchen solche Gedanken selten spontan auf, und wenn es geschieht, genügt es in der Regel, dass man sich bewusst auf die Atmung konzentriert, auf den Kontakt der Füsse mit dem Boden, darauf dass die Wirbelsäule möglichst aufrecht ist, und schon verschwinden sie von selbst. Die meisten Jogger berichten, dass sie nach fünfzehn bis dreissig Minuten in einen Zustand gelangen, in dem die Gedanken spontan positiv, sogar kreativ sind.[…]

 

Wissenschaftler der Duke-Universität haben in einer vergleichenden Studie die Behandlung von Depressionen mit Jogging und mit einem sehr wirksamen modernen Medikament, Zoloft, untersucht. Nach viermonatiger Behandlung fühlten sich die Patienten der beiden Vergleichsgruppen genau gleich gut. Die Einnahme des Medikaments bot keine Vorteile gegenüber regelmässigem Joggen. Auch wenn das Medikament zusätzlich zum Joggen eingenommen wurde, besserte sich der Zustand nicht weiter. Nach einem Jahr war allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen zu erkennen: Über ein Drittel der mit Zoloft behandelten Patienten hatten einen Rückfall erlitten; in der Gruppe derjenigen, die regelmässig joggten, waren 92 Prozent nach wie vor vollkommen beschwerdefrei.“ (Servan-Schreiber, 2006: 186,187)

 

 

Brigitte Zürcher

 

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Wie wirkt Bewegung auf die Psyche? https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/05/wie-wirkt-bewegung-auf-die-psyche/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/05/wie-wirkt-bewegung-auf-die-psyche/#respond Wed, 22 May 2019 20:15:25 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7320

„Wir gehören nicht zu denen, die erst zwischen Büchern auf den Anstoss von Büchern zu Gedanken kommen – unsre Gewohnheit ist, im Freien zu denken, gehend, springend, steigend, tanzend, am liebsten auf einsamen Bergen oder dicht am Meer, da wo selbst die Wege nachdenklich werden.“

F. Nietzsche

 

Ich selber bin keine Sportskanone, Joggen tue ich nur Phasenweise, aber, die gute Nachricht ist, man muss gar keine Sportskanone sein um eine positive Wirkung zu spüren:

 

„Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass man gar nicht viel tun muss. Entscheidend ist die Regelmässigkeit. Verschiedenen Studien zu Folge liegt die Untergrenze für eine positive Wirkung von Bewegung auf das emotionale Gehirn bei dreimal zwanzig Minuten pro Woche. Die Dauer spielt offensichtlich eine Rolle, nicht hingegen die Strecke, auch nicht das Tempo. […]

 

Eine weitere, ebenfalls an der Duke-Universität durchgeführte Studie hat gezeigt, dass man weder jung noch gesund sein muss, um vom Ausdauertraining zu profitieren. Walking dreimal in der Woche, ohne zu laufen, hatte bei Patienten zwischen fünfzig und siebenundsechzig, die an einer Depression litten, nach vier Monaten dieselbe Wirkung wie die Einnahme eines Antidepressivums. Der einzige Unterschied zwischen Training und Medikament lag darin, dass das Medikament die Symptome rascher beseitigte, allerdings nicht so nachhaltig. Regelmässiges körperliches Training erlaubt nicht nur, eine depressive Episode zu überwinden, viel spricht dafür, dass es einer Depression auch vorbeugt.“ (Servan-Schreiber, 2006: 188,193)

 

Weitere Gründe warum Joggen oder Bewegung an und für sich hilfreich ist zur Bewältigung von psychischen Problemen (vgl. Statt Psychiatrie 2, Ulrich Bartmann: Laufend aus der Krise):

 

  • sich die Anforderungen ganz individuell variieren lassen
  • diese Massnahme allein oder mit Bekannten durchgeführt werden kann, je nach persönlichen Vorlieben
  • Sie keinem Verein beitreten oder irgendeine Sportstätte mieten müssen
  • ausser dem Anschaffen guter Laufschuhe (lassen Sie sich beraten), Sie keine besonderen Kosten haben
  • Sie zu Zeiten laufen können, die Ihnen passen – und sei es nachts
  • Sie letztlich überall laufen können
  • und zudem kaum mit Nebenwirkungen rechnen müssen

 

 

Aber, auf welche Weise entfaltet die Bewegung ihre Wirkung auf die Psyche?

 

„Zuerst einmal ist da der Effekt der Endorphine. Diese Botenstoffe werden vom Gehirn ausgeschüttet, sie ähneln stark dem Opium und seinen Abkömmlingen wie Morphium und Heroin. Das emotionale Gehirn enthält viele Endorphinrezeptoren, deshalb ist es so empfänglich für Opium, das auf der Stelle ein allgemeines Gefühl von Wohlbefinden und Zufriedenheit vermittelt. Opium ist das stärkste Mittel gegen Trennungsschmerz und Trauer. […]

 

Doch wenn man Opiumderivate zu häufig nimmt, setzt ein „Gewöhnungseffekt“ ein; die Rezeptoren im Gehirn stumpfen gewissermassen ab. Um dieselbe Wirkung zu erzielen, muss bei jeder Einnahme die Dosis erhöht werden. Da die Rezeptoren immer weniger empfänglich sind, verlieren die kleinen Freuden des Alltags ihre Bedeutung […] Genau das Umgekehrte passiert, wenn infolge körperlicher Anstrengung Endorphine ausgeschüttet werden. Der natürliche Mechanismus, Freude zu empfinden, wird sanft stimuliert, und die Rezeptoren scheinen dabei zunehmend empfänglicher zu werden.

 

Menschen die regelmässig Sport treiben, können die kleinen Freuden des Lebens offenbar mehr geniessen. […] Es scheint, als falle es ihnen leichter, zufrieden zu sein. Menschen, die regelmässig Sport treiben, zeigen einen variablen Herzrhythmus und mehr Kohärenz als jene, die hauptsächlich sitzen“. (Servan-Schreiber, 2006: 190,191) 

 

Brigitte Zürcher

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Die Stimmen begleiten mein Leben https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/die-stimmen-begleiten-mein-leben/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/die-stimmen-begleiten-mein-leben/#respond Fri, 26 Apr 2019 18:30:40 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5441

Drei bis fünf Prozent aller Menschen hören Stimmen oder haben irgendwann einmal in ihrem Leben Stimmen gehört. In der Psychiatrie gilt Stimmenhören immer noch als Zeichen für eine schwere psychische Störung, und auch heute noch besteht die Behandlung in den meisten Fällen ausschliesslich aus Psychopharmaka. […]

 

1990 erzählte ich in einer Klinik zum ersten Mal von den Stimmen. Seitdem habe ich sechs verschiedene psychiatrische Diagnosen erhalten, von denen die „Schizophrenie“ mich am meisten betroffen machte. Viele Neuroleptika wurden bei mir ausprobiert, die Stimmen waren dagegen aber immun. Mein schlimmstes Erlebnis war als ich Haldol nehmen musste, das ja bei Stimmenhören noch immer das Mittel der Wahl ist. Verunsichert durch die Diagnosen der PsychiaterInnen und ihren Beteuerungen, dass ich unheilbar psychisch krank sei, resignierte ich und ergab mich in mein Schicksal. Das hatte zur Folge, dass die Stimmen immer aggressiver wurden. Ich führte einen Dauerkampf mit ihnen, der mich zu einer Drehtürpatientin machte.

 

1992 […] traf ich auf eine Sozialarbeiterin, die mich im Kampf gegen die Stimmen unterstützte, indem sie mich und meine Stimmen sehr ernst nahm. […] Heute kann ich das Anschwellen des Stimmengemurmels als Warnung wahrnehmen: irgendetwas ist dann bei mir nicht in Ordnung. Das kann zu grosser Druck sein, den andere auf mich ausüben oder den ich mir selber mache, oder eine Konfliktsituation, die ich noch nicht als solche erkannt habe. Dann können die Stimmen wie ungezogene Kinder sein, die ich an einem ungestörten Ort scharf zurechtweisen muss.

 

Wenn ich gewusst hätte, wie befreiend das Reden über meine Stimmen mit anderen Betroffenen sein kann! Erst in unserer Selbsthilfegruppe habe ich gelernt, dass ich meine Stimmen im Zusammenhang mit meiner Lebensgeschichte sehen sollte. […]

 

Der Hauptgrund, warum ich jetzt seit 1997 ohne Klinik und ohne Psychopharmaka leben kann, ist sicher, dass ich mich in der Stimmenhörer-Bewegung engagiert habe. [..] Ich habe mich von einer Betroffenen zu einer Expertin in eigener Sache entwickelt. Seit Mai 1998 gibt es in Deutschland das Netzwerk Stimmenhören (kurz NeSt.) In diesem Netzwerk sind Betroffene (die Experten durch Erfahrung), im psychiatrischen Bereich Tätige (die Experten durch den Beruf) und Angehörige organisiert. Wir begegnen uns auf gleicher Augenhöhe […]

 

Hannelore Klafki: Die Stimmen begleiten mein Leben

 

Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.), Statt Psychiatrie 2

 

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Was mir im Einzelnen geholfen hat https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/was-mir-im-einzelnen-geholfen-hat/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/was-mir-im-einzelnen-geholfen-hat/#respond Thu, 25 Apr 2019 18:47:40 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5453

Als ich 22 war, ist mein Leben gegen die Wand gelaufen. Ich sass in der Klemme, hatte aber nicht den Mut auszubrechen. Da hat meine Seele die Notbremse gezogen: Ich entwickelte Verfolgungswahn, geriet in Panik und rastete total aus. Konsequenz: Einweisung in die Geschlossene, Diagnose „Schizophrenie“. Danach hatte ich das grosse Glück, […] eine Lebensgemeinschaft von Psychose erfahrenen Menschen zu finden, die es mir ermöglicht hat, im geschützten Rahmen meine seelischen Probleme aufzuarbeiten.

 

Wenn ich heute, nach zwanzig Jahren, rückblickend meinen Weg überschaue, so sehe ich deutlich vor mir, was mir im Einzelnen geholfen hat, nicht wieder verrückt zu werden. Die Grundvoraussetzung war für mich, dass ich von den Mitgliedern der Gemeinschaft ohne Wenn und Aber angenommen worden bin, mit meinen Macken, meinen Schwächen, meinen Ängsten. In der Akutphase nach dem Absetzen von Haldol hat mir in erster Linie „KITE“ (Körperorientiertes Intuitives Trance-Erleben) geholfen, eine Selbsthilfemethode […]. Schon in meiner Jugend ahnte ich, dass schlimme Erlebnisse, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, mein Leben beschatten. Und ich vermutete, dass ich diese Schatten selbst auflösen kann, indem ich die schlimmen Erlebnisse aus dem Verborgenen aufspüre und die damit verbundenen Gefühle noch einmal durchlebe. Genau das hat „KITE“ für mich möglich gemacht. […]

 

Ergänzend zu „KITE“ war es für mich hilfreich zu lernen, mir selbst über die Schulter zu schauen und die „Muster“ zu erkennen, aus denen ich mein Leben gewebt hatte. Und vor allem im Miteinander in der Gemeinschaft zu lernen „musterhafte“ Verstrickungen zu entwirren und dadurch eine verlässliche Orientierung zu bekommen.

 

Ein weiteres „Werkzeug“, welches mir geholfen hat, ist das intuitive selbst-therapeutische Schreiben. Auf diesem Weg konnte ich mein Schweigen brechen, fand Worte für das Unaussprechliche. Und noch heute ist es für mich das Mittel der Wahl, um mir schnell Klarheit zum Beispiel über ein schwieriges Gefühl zu verschaffen.

 

[…] es ist für mich wichtig, meine Einstellung zum Leben im Blick zu haben, quasi aus nötiger Distanz mich selbst anschauen zu können: Damit ich mich selbst richtig einschätze; achtsam mit mir, meinen Mitmenschen und allem Lebendigen umgehe; unterscheiden kann, was Realität ist und was Illusion; die Motive für mein Handeln kenne und die für mich richtigen Entscheidungen treffe. […]

 

Was mir im Alltag gut tut, ist das einfache, überschaubare Leben auf dem Land in gemütlicher Atmosphäre mit viel „Spielraum“. Ich handwerke und baue leidenschaftlich gerne, und als Ausgleich arbeite ich am Schreibtisch. Aber alles nur nach meiner eigenen Einteilung, ohne Zeit- und Leistungsdruck. Was ich unbedingt für mich brauche ist eine klare, eindeutige Kommunikation, ehrlich, das heisst gefühlsidentisch, wo nichts verdrängt wird, nichts überspielt. Und ich muss schwierige Gefühle wenn möglich direkt ausdrücken können, ohne dafür abgelehnt zu werden.

Constance Dollwett

 

Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.), Statt Psychiatrie 2

 

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Überwinden der Depression https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/ueberwinden-der-depression/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/ueberwinden-der-depression/#respond Wed, 24 Apr 2019 18:53:40 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5457

Ich glaubte nie an eine Heilung durch die Psychiatrie. […] So wählte ich meinen eigenen intuitiven Weg der Heilung, mit Hilfe von vielen Informationsquellen und Anleitungen zu nicht-medikamentöser Heilung. Meine Suche verband ich mit rigorosen körperlichen Übungen. Einige Monate lang war dies die einzige nützliche Tätigkeit, zu der ich mich täglich durchringen konnte, die Depressionen waren zu heftig. Der Rest der Zeit verschwand im alles aufsaugenden Universum des Nichts. Begleitet von unaufhörlichen Gedanken an das Sterben, Alpträumen und entsetzlichen Erinnerungen, schlief ich, ass, zerstörte Gegenstände im Haus und heulte. Ich spürte eine grenzenlose Wut auf mich, auf andere und die ganze Welt. Glücklicherweise lebte ich damals allein und der Therapeut war ein Freund, sonst wäre ich mit Sicherheit psychiatrisch untergebracht worden als eine potentiell selbst- und fremdgefährdete Frau.

 

So gingen zwei Jahre ins Land – mit langsamen inneren Änderungen. Ich brachte wenig in der äusseren Welt zu Stande, lernte aber viel über mich, über das Leben und den Tod. Es dauerte vier Jahre die „Depression“ ganz zu überwinden, ohne Psychopharmaka, das meiste davon durch Entwicklung von Körperbewusstsein und Fitness. Hilfreich waren ausgedehnte Reisen, neue Umgebungen und Freundschaften, intensive Beschäftigung mit Philosophie und Psychologie, Selbstbeobachtung, minutiöse Planung jedes Tages und politische Aktivitäten (ich gehöre der indischen Frauenbewegung an). Ich schätze die Erfahrungen jener Jahre und bin dankbar, dass ich mir die Chance gab zu sehen, was mein psychisches, geistiges und körperliches System von sich aus ohne die Hilfe von Psychopharmaka tun kann. Diese hätten mein Leiden vielleicht verringert, möglicherweise sogar rasch, aber sie hätten mir keine Erkenntnisse verschafft, noch viel weniger spirituelles Wachstum. Erkenntnis ist ein langwieriger Prozess, der sich ausserhalb zeitlicher Beschränkungen entfalten kann, Abkürzungen sind nicht möglich.

 

Mein Leben verläuft seitdem gut. Es wird bereichert durch die Einsichten jener vier betäubend traurigen Jahre und die später dazugekommene Kraft, die ich durch bewusste Ernährung gewann, durch Meditation und andere spirituelle Praktiken, Studien über die Funktionsweise der menschlichen Psyche, heilende Freundschaften, erfüllende Arbeit insbesondere im Gemüsegarten, natürliches auskurieren eines Schilddrüsenproblems und hartes körperliches Training.

 

Nach vielen Jahren des Kampfes mit der „Depression“ und nach meiner Selbstheilung sehe Ich Depression als eine vielfältige Wechselwirkung von Körper, Geist, Psyche und Zweck, existentiellen Schwierigkeiten zu begegnen. Sie ist eine Manifestation körperlicher, geistiger und psychischer Disharmonie. Ich halte die Erfahrung der Depression in erster Linie für eine Chance auf körperliche, geistige und psychische Erkenntnis, Einsicht, Erholung und Erneuerung. Die Erfahrung der Depression wirft existenzielle Fragen über das Leben, den Tod und das Danach auf. […]

 

Depression beinhaltet inneren Schmerz es ist aber ein Schmerz, der auffordert, ihn zu überwinden. In der Erfahrung der Depression wird ein Selbst begraben, das darauf wartet wiedergeboren zu werden. […]

 

Bhargardi Davar

 

Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.), Statt Psychiatrie 2

 

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Den Sinn der Stimmen entdecken https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/den-sinn-der-stimmen-entdecken/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/den-sinn-der-stimmen-entdecken/#respond Sat, 20 Apr 2019 15:24:40 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5436

Stimmen hörende Menschen wollen nicht länger ausgegrenzt und nur mit Psychopharmaka „behandelt“ werden, sondern den Sinn ihrer Stimmen entdecken lernen, damit sie in Frieden mit ihnen leben können. Das NeSt (Netzwerk Stimmenhören) hat folgende Forderungen formuliert:

 

– Sehen Sie das Stimmenhören nicht nur als Symptom einer Krankheit an. Denken Sie daran, dass drei bis fünf Prozent aller Menschen Stimmen hören oder schon einmal in ihrem Leben Stimmen gehört haben. Viele von ihnen waren noch nie in der Psychiatrie und wollen ihre Stimmen auch nicht verlieren.

 

– Akzeptieren Sie unsere unterschiedlichen Erklärungsmodelle – jede Erklärung, die dabei hilft, mit den Stimmen umzugehen, ist besser als keine.

 

– Helfen Sie uns dabei zu übersetzen, was uns die Stimmen sagen wollen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, was die Stimmen sagen, und falsch sie um jeden Preis abtöten zu wollen. Professor Marius Romme aus den Niederlanden hat schon 1991 gesagt: „Es ist sinnlos, den Boten zu töten, der die Botschaft überbringt, wenn die Botschaft die gleiche bleibt.“

 

– Helfen Sie uns dabei, die Stimmen als zu uns gehörend in unser Leben zu integrieren. Nur dann können wir Strategien zum Umgang mit ihnen entwickeln.

 

Nicht das Stimmenhören an sich muss das Problem sein, oft ist es die Unfähigkeit, mit den Stimmen umzugehen. Machen Sie uns Mut, indem Sie uns mitteilen, dass es Menschen gibt, die gelernt haben, mit den Stimmen umzugehen. Die Stimmen können sich zu einer Lebensbereicherung entwickeln, man kann lernen, sie zu erziehen, sie können in den Hintergrund rücken oder auch wieder ganz verschwinden.

 

Hannelore Klafki: Die Stimmen begleiten mein Leben

 

Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.), Statt Psychiatrie 2

 

 

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Arbeitsmodell der Psychose nach Edward Podvoll https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/arbeitsmodell-der-psychose-nach-edward-podvoll/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/arbeitsmodell-der-psychose-nach-edward-podvoll/#respond Mon, 15 Apr 2019 15:24:55 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5114

Aus gängiger medizinischer Sicht ist eine Person, die an einer Psychose leidet, das Opfer eines pathologischen physischen Zustands, mit anderen Worten einer „Hirnerkrankung“. Andere Sichtweisen siedeln die Pathologie anderswo an, zum Beispiel im Familiensystem oder in der physischen oder kulturellen Umgebung.

 

Obwohl Podvolls Modell diese möglichen Einflussfaktoren nicht leugnet, verweist das Modell auf die aktive Rolle, die ein Individuum in der Entwicklung seiner Psychose spielt, was bedeutet, dass die Betroffenen nicht einfach Opfer sind. Seine Sichtweise gibt ihnen die Möglichkeit, im eigenen Heilungsprozess aktiv mitzuwirken.

 

In dem Buch „Aus entrückten Welten“ (früherer Titel: „Die Verlockung des Wahnsinns“) entwickelt Edward Podvoll ein Modell zum besseren Verständnis der Entstehung und Weiterentwicklung von Psychosen. Er beschreibt konkrete Ursachen und Bedingungen, die einen solchen Prozess auslösen und in Wahnsinn münden können:

 

– Grenzsituation: bezieht sich auf den intensiven Druck der Umweltbedingungen und unlösbarer Dilemmas, die das Gefühl von Sicherheit und Selbst sein einer Person bedrohen. Beim Versuch aus einer überwältigenden Zwangslage zu entkommen, kann eine Person ausklinken und sich in die Welt der Magie und Macht flüchten. Im verzweifelten Versuch einer Lösung dessen was unlösbar erscheint, durchläuft sie hierbei eine radikale Selbsttransformation.

 

– Intention: meint die starke Ambition, die alltäglichen Forderungen, Verantwortlichkeiten und Begrenzungen des Lebens zu durchbrechen und einen Zustand von Macht und Freiheit jenseits irdischer Mühsal zu erreichen.

 

– Aktivität: bezieht sich auf die starke Anstrengung der Selbstverwandlung, um eine persönliche Zwangslage zu überwinden. Dies erfordert den Einbezug von Praktiken, die Körper und Geist desynchronisieren oder voneinander loslösen – und ebenso Körper und Geist von der Umgebung abkoppeln. (z.B. kann das sein: nicht schlafen, nicht essen, keine Tagesstruktur etc.)

 

– Substanz: bezieht sich auf den Konsum von konkreten Substanzen, die bewusstseinsverändernd wirken und zugleich den Versuch zur Selbstverwandlung vorantreiben. Zu diesen Substanzen gehören unter anderem Alkohol, Marihuana, Halluzinogene und Amphetamine. Sie desynchronisieren Körper und Geist und intensivieren die Erfahrung eines transzendenten Zustands von Macht und Freiheit, der weitab all der Einschränkungen einer Realität im Wachzustand liegt.

 

– Geistesabwesenheit: benennt den Zustand, der eine Folge des Schürens von desynchronisierenden Praktiken mit Substanzen ist, und im weiteren Verlauf zum Ausklinken führt. In dem Masse, wie eine Person ihre zunehmende Aufmerksamkeit auf eine „andere Welt“ richtet, verliert sie den Bezug zur unmittelbaren Umgebung, zu anderen Menschen und schliesslich zu den Bedürfnissen des eigenen Körpers. Der Geist konzentriert sich in überwältigendem Ausmass auf die Imagination.

 

Text von: Michael Herrick/Anne Marie DiGiacomo/Scott Welsch: Windhorse

 

Aus dem Buch: „Statt Psychiatrie 2“, Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.)

 

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Was ist eine Psychose? https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/was-ist-eine-psychose/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/was-ist-eine-psychose/#respond Sun, 14 Apr 2019 15:24:55 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5131

Was ist eine Psychose? Von dieser Definition hängt das Zwangs- und Gewaltproblem in erster Linie ab. Das medizinische Konzept der sinnlosen, genetisch bedingten Hirnstoffwechselstörung entwertet den Patienten, ignoriert ihn als Menschen mit seinen Erfahrungen und provoziert geradezu seinen Widerstand.

 

Was wäre, wenn nicht Sie, sondern wir die Definitionsmacht hätten, dass die Psychose ein Aufbruch des normalerweise Unbewussten ist, um eine vorausgegangene Lebenskrise zu lösen, die wir mit unseren bewussten Kräften nicht lösen konnten. Dass darum die Parallelen zwischen den bekannten schizophrenen Symptomen und dem, was in unseren Nachtträumen geschieht, so offensichtlich sind, weil beide aus derselben Quelle, unserem Unbewussten kommen. Als schizophrenes Symptom ist zum Beispiel der Aufbruch von Symbolen bekannt, das Denken und Handeln in Symbolen. Unsere Nachtträume sind voller Symbole. Oder die häufigen Identifikationen zum Beispiel mit Jesus und anderen Personen in der Schizophrenie. Auch im Nachttraum identifizieren wir uns mit den im Traum auftretenden Personen, die uns häufig selbst meinen. Oder die in der Schizophrenie häufigen „Beziehungs- und Bedeutungsideen“. Verstehen lassen sie sich erst aus dem in der Psychose veränderten Weltgefühl sonst nicht gespürter Sinnzusammenhänge. Ähnliches gibt es im Traum. Sigmund Freud erwähnt im „Abriss der Psychoanalyse“ beim Traum:


„…eine auffällige Tendenz zur Verdichtung, eine Neigung, neue Einheiten zu bilden aus Elementen, die wir im Wachdenken gewiss auseinander gehalten hätten.“


Die Krankheit liegt also darin, dass wir unser Psychoseerleben für Realität halten. Würden wir es von vornherein auf der „Traumebene“ erkennen, wären wir nicht krank. Es bedarf also der Verschiebung der Psychoseinhalte auf die „Traumebene“, um sich den Sinn der Psychose zu erhalten, nur ihre objektive Wirklichkeit nicht. Unsere Psychosen gehen meistens mit aufbrechenden Impulsen und Emotionen einher, die aus dem Unbewussten kommen. Damit sich gar keine Gefühle und Impulse stauen können, lebe ich immer aus diesen Impulsen oder der inneren, nicht gehörten Stimme. Manche hören sie auch. Diese Definition der Schizophrenie hat nichts Abwertendes und fordert dazu auf, sich mit den Psychose-Inhalten und der vorausgegangenen Lebenskrise zu befassen, um sich selber besser zu verstehen und mit sich umzugehen.

 

Den Aufbruch des Unbewussten erleben und bewerten wir als von aussen kommende „Eingebungen“. Darum konnte der englische Psychiater John K. Wing als „zentrales schizophrenes Syndrom“ das „Erlebnis der Eingebung von Gedanken“ bezeichnen. Aus diesem Erlebnis von aussen eingegebener Gedanken resultiert wohl auch der Begriff der „Schizophrenie“. Sobald wir aber von einem aufgebrochenen Unbewussten wissen, das wir wegen der ganz anderen Art des Denkens und Vorstellens, des eher „Gedachtwerdens“, als nicht aus uns selbst kommend erleben und bewerten, kann gemeinsam ein Psychose- und Selbstverständnis erarbeitet werden. Denn, dass unsere Psychosen durch vorausgegangene Lebenskrisen seelisch verursacht sind, wissen wir Betroffene fast alle.

 

Dorothea S. Buck-Zerchin: Siebzig Jahre Zwang in deutschen Psychiatrien.

 

Text aus dem Buch: „Statt Psychiatrie 2“, Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.)

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Psychische Krankheit – ein Phantom https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/psychische-krankheit-ein-phantom/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/psychische-krankheit-ein-phantom/#respond Mon, 01 Apr 2019 15:24:55 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5123

Jemanden für psychisch krank zu erklären, weil er bzw. sie auf eine bestimmte Art handelt oder sich verhält, ist etwas völlig anderes, als eine Krankheit festzustellen, für die es physiologische Anhaltspunkte gibt. Verhalten als Indiz für eine Krankheit ist kein objektiver Tatbestand – es ist darüber hinaus auch deswegen subjektiv, weil Verhalten eine Sache von Beobachtung und Interpretation ist. Kurz gesagt, was für den einen Menschen verrückt ist, ist für den anderen erklärbar, ja sogar vernünftig. Was dem einen abscheulich ist, hält der andere lediglich für schlechte Manieren, und ein Dritter mag das Verhalten sogar witzig finden. Das Urteil hängt davon ab, wer beobachtet, mehr noch von der Haltung, die der Beobachtung zugrunde liegt.

 

Die Vorstellung von psychischer Krankheit ist simpel: Man nehme psychisches Leid als Beweis für eine Krankheit, auf die nur eine hochspezialisierte und gutbezahlte Gruppe von Heilern – fast schon eine Priesterschaft – einwirken kann. Und man sei nicht sparsam mit drastischen Massnahmen. Man benutze Psychopharmaka, Grausamkeit und Schrecken, Einkerkerung und elektrischen Strom für das Gehirn. Blosse Gesprächstherapie ist zu einfach, sowie auch Gespräche, Freundschaft und Beratung zu primitiv sind, braucht man dazu doch weder Rezept noch Lizenz.

 

Menschliches Elend, Ungewissheit, Lebenskrisen, die schmerzhaften Prozesse, durch die wir uns voneinander trennen, wachsen, Neues schaffen, uns verändern oder Entscheidungen treffen… all das sind Zeiten der Verwundbarkeit. Von Seiten unserer Umwelt oder aus unserem Inneren regt sich Widerstand. Wir sind uns selbst unsicher, als Mann oder als Frau, als Liebende, Bruder oder Schwester, Kinder oder Eltern; wir können verwirrt sein, überwältigt, beschämt, eingeschüchtert, geschwächt oder erniedrigt. Ganz besonders dann, wenn wir davon überzeugt wurden, die eigenen Gefühle, Reaktionen und Beweggründe nicht zu kennen, die eigene Urteilskraft unzuverlässig und unsere psychischen Prozesse falsch zu finden. Dann erkläre man das Menschsein an sich zum medizinischen Problem, definiere die Psyche als eine Abfolge von mysteriösen Unwägbarkeiten und behaupte, es handle sich um ein chemisches Konstrukt von unsicherem Gleichgewicht, um ein Rätsel dem wir ausgeliefert sind. Nur die Psychiatrie kann diese instabile Mixtur in Ordnung bringen – mit Psychopharmaka, deren Wirkungsweise nicht einmal die Doktoren verstehen, von denen sie aber behaupten, dass sie uns nicht schaden.

 

Mit Psychopharmaka ist weniger Medizin gemeint, eher Medikation. Diese stellt ruhig, stumpft ab, macht träge oder hektisch, vermindert oder erzeugt Stress, stört die Konzentrationsfähigkeit und verzerrt die Wahrnehmung, verhindert vernünftiges Denken. Sie tut das, was Psychopharmaka eben tun: sie entstellen, aber sie heilen nicht, wie auch, wenn gar keine Krankheit vorliegt. Psychische und emotionale Belastungen und Beschwerden sind nun mal natürliche Bestandteile des menschlichen Lebens und keine Krankheitssymptome.

 


Kate Millett: Psychische Krankheit – ein Phantom.

Text aus dem Buch: „Statt Psychiatrie 2“, Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.)

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