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Quelle: https://psychiatrietogo.de/2016/08/19/sinnvolle-kontrolluntersuchungen-unter-psychopharmaka/

 

Weshalb diese Laboruntersuchungen wichtig sind wird klar, wenn die Beiträge unter „Nebenwirkungen“ gelesen werden.

 

 

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Leben mit Psychopharmaka – aus trialogischer Sicht https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/leben-mit-psychopharmaka-aus-trialogischer-sicht/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/09/leben-mit-psychopharmaka-aus-trialogischer-sicht/#respond Thu, 05 Sep 2019 17:45:52 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=7825

Die unten aufgeführten trialogischen (*Im Trialog haben Erfahrene, Angehörige und professionell Tätige – die Möglichkeit, Erfahrungen gleichberechtigt auszutauschen) Filmausschnitte  haben mich tief berührt. Vieles empfinde und erlebe ich ähnlich wie die Menschen welche hier zu Wort kommen. Das Gehörte gibt mir das Gefühl von „ich bin nicht allein“. Nicht allein mit alldem was so schwierig, quälend und teilweise im Grunde unaushaltbar ist im Zusammenhang mit Psychopharmaka und dem Umgang damit.

Da ich in Kontakt mit Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen bin welche z.T. sehr leiden an dem ganzen „System Psychiatrie“ hoffe ich das es ihnen wie mir geht und sie sich dank dieser Filmausschnitte weniger allein fühlen. Die Filmsequenzen wühlen auf, daher ist es wichtig sie in einem Moment anzusehen in welchem innerlich die Kraft dafür vorhanden ist.
Wer das Bedürfnis dazu hat kann am Ende des Beitrags einen Kommentar hinterlassen oder sich im Forum dazu austauschen.

Psychiatrie-Erfahrene:

Angehörige:

psychiatrische Fachkräfte:

Es geht auch anders:

Jenen die sich angesprochen fühlen empfehle ich wärmstens die DVD welche sowohl den Dokumentarfilm „Nicht alles schlucken“, 86 Min. und die Gesprächssequenzen „Leben mit Psychopharmaka“ 150 Min. enthält.

Informationen zum Film:

https://www.filmeblog.de/nicht-alles-schlucken/
https://www.psychiatrie.de/filme/dvds/nicht-alles-schlucken.html

B.Zürcher

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Piet Westdijk beantwortet Fragen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/05/piet-westdijk-beantwortet-fragen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/05/piet-westdijk-beantwortet-fragen/#comments Sat, 11 May 2019 10:34:52 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=6826

 

 

 

Die Videos werden auf „Vimeo“ wiedergegeben, sie dauern von wenigen Minuten bis zu einer Viertelstunde. Mit dem klicken auf die blaue Zeitangabe kann direkt zu der entsprechenden Frage im Video gesprungen werden. Hier sind die einzelnen Videos zum Anklicken:

 

Psychiatrie, Diagnosen, Macht, Hierarchie, Lügen

Gesundheitssystem, Politik, IV

Umgang mit Psychopharmaka und Abhängigkeit

Fragen zu Psychopharmaka absetzen

Gedanken zu alternativen Mitteln, Wegen

Umgang mit „Stimmen“

Umgang mit Krisen

Eltern, Kinder, Wohngruppen, Angehörige

Kritische Auseinandersetzung mit einem „Psychose-Wegbegleiter“

Was ist für dich wichtig geworden in all den Jahren deiner Arbeit?

 

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Eine kurze Geschichte der Psychopharmakologie https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/eine-kurze-geschichte-der-psychopharmakologie/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/eine-kurze-geschichte-der-psychopharmakologie/#respond Sat, 27 Apr 2019 22:30:11 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5327

Ein geradezu existentielles Interesse an der Biologisierung der psychischen Störungen hat naturgemäss die pharmazeutische Industrie. Nur wenn Erkrankungen der Psyche als Erkrankungen des Gehirns und somit als biologisches Problem verstanden werden, ist es überhaupt sinnvoll, Medikamente einzusetzen. Durch die forcierte Naturalisierung der Psychiatrie konnte ein riesiger neuer Markt erschlossen werden. […]

 

Mitte der 1950er Jahre wurde ein neues Kapitel der Psychiatriegeschichte aufgeschlagen. Die Ära der Psychopharmakologie, in der wir uns heute mehr denn je befinden, erlebte eine Morgendämmerung.


In jener Zeit war die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung somatischer Erkrankungen schon halbwegs von einer Vorgehensweise charakterisiert, die man heute als „rational drugs design“ bezeichnet. Auf der Suche nach „Magic Bullets“ im Sinne Paul Ehrlichs studierten die Forscher Ursachen und Wesen einer Krankheit und suchten aufgrund ihrer Befunde nach einer sinnvollen Behandlungsmethode. Durch diese Vorgehensweise – und dem notwendigen Glück – wurde eine ganze Reihe neuer Antibiotika entdeckt, Mittel gegen Tropenkrankheiten gefunden, die Insulinsubstitution als Standarttherapie der Zuckerkrankheiten etabliert und neue Impfstoffe entwickelt.

 

Bei Medikamenten gegen psychische Störungen sah es dagegen ganz anders aus. Im Nachhinein hat die Pharmaindustrie zwar den Eindruck erweckt, ihre Psychopharmaka seien auf der Grundlage evidenzbasierten Wissens um die biologischen Vorgänge im Gehirn entwickelt worden. In Tat und Wahrheit ist die Geschichte der Psychopharmakologie nichts anderes als eine Geschichte glücklicher Zufälle. […]

 

Dem Wirkstoff Chlorpromazin wird heute zugeschrieben, als erstes wirksames Antipsychotikum die psychopharmakologische Revolution der 1950er Jahre ausgelöst zu haben. Die Entwicklung des Chlorpromazins war aber alles andere als planvoll und die Entdeckung seiner antipsychotischen Wirkung einer Reihe von Zufällen zu verdanken. Die Herstellerfirma Rhone-Poulenc dachte nämlich anfänglich, mit dem Thorazin-Wirkstoff Chlorpromazin ein neues Antihistaminikum gefunden zu haben. […] Henry Laborit, ein junger Chirurg der französischen Marine, hat Chlorpromazin […] angewendet und festgestellt, dass seine Testsubstanz bei den Patienten eine „euphorische Ruhe“ […] bewirkt. An einer Konferenz in Brüssel im Dezember 1951 berichtete Laborit seinen Fachkollegen, dass Chlorpromazin seine Patienten zuverlässig in einen Dämmerzustand versetze, eine „veritable medizinische Lobotomie“. […] Trotz aller Skepsis und trotz der Verunsicherung bei Rhone-Poulenc hat das Chlorpromazin Ende der 1950er Jahre von Frankreich, der Schweiz und Kanada ausgehend einen weltweiten Siegeszug angetreten. Und damit die Psychiatrie nachhaltig verändert.[…]

 

Etwa zur selben Zeit hat der Chemiker Frank Berger bei Wallace Laboratories in New Jersey einen neuartigen Wirkstoff entwickelt, der als Prototyp der „Minor Tranquilizer“ Karriere machen sollte. Wiederum keine Spur von „rational drug design“, wiederum eine pure Zufallsentdeckung. Berger war ursprünglich auf der Suche nach einem Antibiotikum, das aber breiter als Penicillin wirken sollte. Dazu synthetisierte er Abwandlungen eines in England gebräuchlichen Desinfektionsmittels. In den Tierversuchen zur Toxizitätsabschätzung entdeckte der Chemiker, dass eine seiner Testsubstanzen wirksam die Skelettmuskulatur entspannte. Und nicht nur das. Seine sonst durch Herumexperimentieren gestressten Versuchstiere machten einen ungewöhnlich entspannten Eindruck. Berger erkannte schon früh das Potenzial, einen angstlösenden Wirkstoff zu entwickeln. […] Berger hatte zwar nicht das erhoffte neue Antibiotikum gefunden, dafür aber den zweiten bedeutenden Wirkstoff im gerade anbrechenden Zeitalter der Psychopharmakologie entwickelt. Meprobamat, so der Name von Bergers Beruhigungsmittel, wurde 1955 unter dem Namen Miltown auf den Markt gebracht. […] 

 

Miltowns Grosserfolg lag nicht nur an den Ärzten, die das Medikament grosszügig an alle Patienten verschrieben. Vor allem verlangten die gestressten und ängstlichen Amerikaner selbst vehement nach der neuen „Ruhepille“ […]

 

Ganz in Tradition früher pharmazeutischer Innovation wurde auch das erste Antidepressivum durch puren Zufall entdeckt. Bei Hoffman-La Roche suchte man […] nach einem Mittel gegen Tuberkulose. Als man den Wirkstoffkanditaten Iproniazid an Patienten in Tuberkulosekliniken ausprobierte, stellten die behandelnden Ärzte fest, dass die Patienten seltsam „energetisiert“ und offensichtlich guter Laune waren. Aufgrund der vermuteten stimmungsaufhellenden Wirkung wurde Iproniazid schon bald auch bei depressiven Patienten getestet. Trotz unzuverlässiger Wirkung und einer Reihe von Nebenwirkungen hat Nathan Kline, Psychiater am Rockland State Hospital bei New York, das Medikament mit einer wohlwollenden Fachpublikation gerettet. […] 1958 wurde Iproniazid als erstes Antidepressivum zugelassen und unter dem Namen Marsilid vermarktet. […]

 

Praktisch zur selben Zeit, […] entdeckte der Schweizer Psychiater Roland Kuhn die antidepressive Wirkung von Imipramin, eine Neuentwicklung aus den Labors des Pharmaherstellers Geigy. Immerhin, bei dieser Substanz war der Abstand zwischen eigentlich gesuchter und tatsächlicher Wirkung noch am kleinsten. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit zu Chlorpromazin vermutete Geigy nämlich eine antipsychotische Wirkung. Die Wahnsymptome verschwanden bei Kuhns schizophrenen Patienten zwar nicht, dafür schien sich deren Stimmung zu bessern. 1958 wurde Imipramin unter dem Markennamen Tofranil eingeführt. […] 

 

Um die Psychoanalytiker mit ihren neuen Medikamenten nicht zu vergraulen, haben die Pharmaproduzenten in der ersten Kampagne noch explizit darauf hingewiesen, dass ihre Arzneien Geisteskrankheiten zwar nicht von sich aus heilen, Patienten aber soweit entspannen könnten, dass sie einer Behandlung durch den Therapeuten zugänglich werden. Thorazine und Miltown seien lediglich „Hilfsmittel für die Psychotherapie, keine Heilmittel“, berichtete auch die New York Times. Wie sich die Zeiten doch geändert haben. Heutzutage gelten Psychopharmaka vielen Befürwortern der biologischen Psychiatrie sehr wohl als authentisches Heilmittel. Im Gegenzug mag die Psychotherapie mitunter nur noch, wie der Analytiker Joachim Küchenhoff nicht ganz frei von Sarkasmus befindet, „biologisch denkenden Psychiatern als Complianceförderung zur besseren Medikamentenverordnung gelten.“

 

Aber schon Mitte der 1960er Jahre hatte sich das Image der neuen Psychopharmaka deutlich gewandelt. Schritt für Schritt wurden neue therapeutische Klassen eingeführt und die alten „Beruhigungs- und Aufbaumittel“ im Nachhinein per Umbenennung aufgewertet. Aus den „Major Tranquilizern“ wurden „Antipsychotika“, aus den „Minor Tranquilizern“ wurden „Anxiolytika“ und aus den allgemeinen „psychischen Energiespendern“ wurden Antidepressiva. Da war sie nun plötzlich, diese scheinbare Spezifität, diese vermeintlich passgenaue medikamentöse Antwort auf alle psychischen Leiden. […]

 

Die zunehmende pharmakozentrische Sichtweise der Psychiatrie hatte in den 1970er und 1980er Jahren weitere Gebietsgewinne zu verzeichnen. Durch Abwandlung bereits etablierter Wirkstoffe wurden dem therapeutischen Arsenal in rascher Folge immer neue Varianten von Anxiolytika, Antidepressiva und Antipsychotika hinzugefügt. Der ganz grosse kommerzielle Erfolg kam für die Pharmaindustrie aber erst mit der Entwicklung und Vermarktung einer neuen Klasse von Psychopharmaka, den „Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern“ (abgekürzt SSRIs). Deren Prototyp Prozac ist zu einem Symbol der 90er Jahre geworden. […]

 

Ärzte verschrieben Prozac nicht nur bei Depressionen, sondern auch bei weit verbreiteten persönlichen Problemen wie Empfindlichkeit auf Kritik, Angst vor Zurückweisung oder mangelndem Selbstvertrauen. Die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte von Prozac und Co. ist allerdings mehr als nur erstaunlich, wenn man die bewegte und wechselhafte Geschichte dieser zweiten psychopharmakologischen Revolution betrachtet. Eine Revolution, die letzten Endes auf dem Sieg des pharmazeutischen Marketings über wissenschaftliche Fakten beruht.

 

 

Felix Hasler, Neuromythologie, transcript 

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Das Scheitern an der Komplexität des Gehirns https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/das-scheitern-an-der-komplexitaet-des-gehirns/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/das-scheitern-an-der-komplexitaet-des-gehirns/#respond Sat, 27 Apr 2019 20:00:45 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5378

Auf den ersten Blick, geht es uns besser denn je. Unsere Gesundheitsversorgung ist so gut wie nie zuvor. Die Lebenserwartung nimmt stetig zu und immer mehr körperliche Erkrankungen sind durch effektivere Therapien in den Griff zu bekommen. Im Gegensatz dazu, sind die psychischen Störungen seit Jahren im Vormarsch. Nicht nur steigt die Prävalenz vieler psychischer Erkrankungen seit Jahren kontinuierlich an – diese scheinen auch immer häufiger einen chronischen Verlauf zu nehmen. An erster Stelle stehen dabei die Depressionen. Besonders die „en vogue“ Depressionsdiagnosen: „Erschöpfungssyndrom“ und „Burnout“ gewinnen massiv an Terrain.

 

Es war eine der grossen Medizin- Hoffnungen der 90er Jahre, dass die „Neuro-Psychiatrie“ als exakte naturwissenschaftliche Disziplin schon bald psychopathologisches Geschehen auf der Ebene von Neuronen und Rezeptoren würde aufklären können. Dass sich mittels genetischen Screenings Risikopersonen identifizieren lassen werden. Dass mit bildgebenden Verfahren gesunde von depressiven und schizophrenen Gehirnen unterscheidbar würden. Und vor allem, dass sich aufgrund der Einsichten in die biologischen Abläufe von psychischen Störungen hochspezifische und damit nebenwirkungsarme Medikamente entwickeln lassen. Keine dieser Hoffnungen hat sich erfüllt. Noch nicht einmal ansatzweise.

 

Über alle Massen simplifizierte, nie bewiesene und bisweilen grundlegend falsche wissenschaftliche Konzepte zur Biologie der Psyche haben den Boden für die gesellschaftliche Akzeptanz bereitet, psychiatrische Störungen als entgleiste Chemie des Gehirns, insbesondere als Neurotransmitter-Ungleichgewichte zu begreifen. Der Mythos der Spezifität, Wirksamkeit und Sicherheit „moderner“ Psychopharmaka wiederum hat bewirkt, diese exzessiv zu verschreiben und auch bereitwillig einzunehmen. Mit dem leider häufigen Ergebnis, dass das delikate Gleichgewicht der Hirnchemie nachhaltig und möglicherweise irreversibel gestört wird. So kommt es, dass ursprünglich seltene und episodische psychische Krankheiten zu häufigen und chronischen geworden sind.

 

Dass die Entwicklung neuer und vor allem innovativer Psychopharmaka grosse Probleme macht, ist zwischenzeitlich auch der Pharmaindustrie selbst bewusst geworden. […] So sind die meisten Substanzen in den klinischen Studien längst bekannte Medikamente, die bereits zugelassen sind und nun die behördliche Zulassung für weitere Indikationen anstreben. Gleich mehrere atypische Antipsychotika, darunter auch die Blockbuster Risperdal und Seroquel, werden gerade auf ihre Eignung zum Einsatz bei Depressionen untersucht. […]

 

Eine pure Verzweiflungstat in Ermangelung echter Innovation? Wie schlecht Psychopharmaka in klinischen Studien abschneiden, zeigt ein Vergleich der Erfolgsraten. Gerade einmal 8,2 Prozent aller psychopharmakologischen Testsubstanzen aus den klinischen Untersuchungen erhalten am Ende eine behördliche Zulassung. Das ist ein Negativrekord unter allen therapeutischen Klassen. Das Scheitern an der Komplexität des Gehirns wird spätestens in den klinischen Untersuchungen offensichtlich.

 

 

Felix Hasler, Neuromythologie, transcript

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Die Stimmen begleiten mein Leben https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/die-stimmen-begleiten-mein-leben/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/die-stimmen-begleiten-mein-leben/#respond Fri, 26 Apr 2019 18:30:40 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5441

Drei bis fünf Prozent aller Menschen hören Stimmen oder haben irgendwann einmal in ihrem Leben Stimmen gehört. In der Psychiatrie gilt Stimmenhören immer noch als Zeichen für eine schwere psychische Störung, und auch heute noch besteht die Behandlung in den meisten Fällen ausschliesslich aus Psychopharmaka. […]

 

1990 erzählte ich in einer Klinik zum ersten Mal von den Stimmen. Seitdem habe ich sechs verschiedene psychiatrische Diagnosen erhalten, von denen die „Schizophrenie“ mich am meisten betroffen machte. Viele Neuroleptika wurden bei mir ausprobiert, die Stimmen waren dagegen aber immun. Mein schlimmstes Erlebnis war als ich Haldol nehmen musste, das ja bei Stimmenhören noch immer das Mittel der Wahl ist. Verunsichert durch die Diagnosen der PsychiaterInnen und ihren Beteuerungen, dass ich unheilbar psychisch krank sei, resignierte ich und ergab mich in mein Schicksal. Das hatte zur Folge, dass die Stimmen immer aggressiver wurden. Ich führte einen Dauerkampf mit ihnen, der mich zu einer Drehtürpatientin machte.

 

1992 […] traf ich auf eine Sozialarbeiterin, die mich im Kampf gegen die Stimmen unterstützte, indem sie mich und meine Stimmen sehr ernst nahm. […] Heute kann ich das Anschwellen des Stimmengemurmels als Warnung wahrnehmen: irgendetwas ist dann bei mir nicht in Ordnung. Das kann zu grosser Druck sein, den andere auf mich ausüben oder den ich mir selber mache, oder eine Konfliktsituation, die ich noch nicht als solche erkannt habe. Dann können die Stimmen wie ungezogene Kinder sein, die ich an einem ungestörten Ort scharf zurechtweisen muss.

 

Wenn ich gewusst hätte, wie befreiend das Reden über meine Stimmen mit anderen Betroffenen sein kann! Erst in unserer Selbsthilfegruppe habe ich gelernt, dass ich meine Stimmen im Zusammenhang mit meiner Lebensgeschichte sehen sollte. […]

 

Der Hauptgrund, warum ich jetzt seit 1997 ohne Klinik und ohne Psychopharmaka leben kann, ist sicher, dass ich mich in der Stimmenhörer-Bewegung engagiert habe. [..] Ich habe mich von einer Betroffenen zu einer Expertin in eigener Sache entwickelt. Seit Mai 1998 gibt es in Deutschland das Netzwerk Stimmenhören (kurz NeSt.) In diesem Netzwerk sind Betroffene (die Experten durch Erfahrung), im psychiatrischen Bereich Tätige (die Experten durch den Beruf) und Angehörige organisiert. Wir begegnen uns auf gleicher Augenhöhe […]

 

Hannelore Klafki: Die Stimmen begleiten mein Leben

 

Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.), Statt Psychiatrie 2

 

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Es gibt viele Wege, die Welt wahrzunehmen https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/es-gibt-viele-wege-die-welt-wahrzunehmen/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/es-gibt-viele-wege-die-welt-wahrzunehmen/#respond Fri, 05 Apr 2019 15:24:39 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5478

In England haben wir die Prinzipien der Stimmenhörerbewegung in andere psychosoziale Bereiche integriert. Inzwischen gibt es auch ein Netzwerk zur Unterstützung von Menschen mit aussergewöhnlichen Überzeugungen. Die zugrunde liegende Idee beruht auf der Arbeit von Tamasin Knight, einer Forscherin und Aktivistin für Menschenrechte im psychiatrischen Bereich, die untersucht hat, wie wir mit Menschen mit aussergewöhnlichen Überzeugungen umgehen, die psychiatrisch Tätige gewöhnlich als Wahnvorstellungen bezeichnen (Knight 2006). Sie stellte fest, dass viele Menschen problemlos mit aussergewöhnlichen Überzeugungen leben. In ihrem Handbuch „Beyond Belief“ („Jenseits des Glaubens“) zum Umgang mit aussergewöhnlichen Überzeugungen schreibt Knight: „Es gibt viele Menschen mit Überzeugungen, die man als Wahnvorstellungen einstufen könnte, die aber trotzdem ein erfolgreiches Leben ohne jeglichen Kontakt zur Psychiatrie führen. […] Der Unterschied zwischen ihnen und denen, die psychiatrische Patienten sind, besteht darin, ob die Personen mit ihren Überzeugungen umgehen können oder ob ihre Überzeugungen sie quälen und vereinnahmen.“

 

Knight betont die Tatsache, dass Menschen in der Psychiatrie generell nur Behandlungen bekommen, die darauf abzielen, ihre Überzeugungen zu unterdrücken oder sie davon zu überzeugen, dass sie falsch sind. […]

 

Das Konzept von Mad Pride („Verrückt und stolz“), das bei Psychiatriebetroffenen immer beliebter wird, fordert […] dass alternative Realitäten und Erfahrungen akzeptiert und respektiert werden. […]

 

Meine Erfahrungen in den letzten zehn Jahren mit der Hilfe für Menschen, denen psychotische Glaubenssysteme nachgesagt werden, zeigen, dass es wichtig ist, das Recht der Menschen auf ungewöhnliche Überzeugungen anzuerkennen. Traditionelle psychiatrische Dienste halten diese Einstellung für eine Unterstützung von Wahnvorstellungen, die sie für den Betroffenen noch realer erscheinen lassen. Ich habe allerdings festgestellt, dass es oft hilfreich ist, die Ansichten von Menschen als wertvoll und bedeutend anzuerkennen und mit ihnen zusammen herauszufinden, wie sie die Welt sehen und was der beste Weg für sie sein könnte. In manchen Fällen kritisiere ich die Vorstellungen zur Realität, aber es ist nicht mein Ziel, Menschen zu helfen, die Welt rationaler zu sehen; ich will Menschen helfen, mit ihrem Leben klarzukommen und ihre Version der Realität besser mit ihrem Umfeld abzustimmen. […]

 

Wer sich an die Psychiatrie wendet, bekommt Psychopharmaka zur Unterdrückung aussergewöhnlicher Gedanken, und Therapien sollen den Menschen beibringen, rationaler zu denken. Die Alternative ist, der Gesellschaft zu vermitteln, dass es viele Wege gibt, die Welt wahrzunehmen, und dass nicht die Fähigkeit, normal und rational zu denken, wesentlich für die Lebensqualität von Menschen ist, sondern wie sie über ihre Überzeugungen und die Welt um sie herum denken. Deshalb sind Selbsthilfegruppen, in denen verschiedene Sichtweisen und Anschauungen akzeptiert werden und Menschen entdecken können, wie sie mit ihrer Überzeugung leben können, ein wesentlicher Teil dieses Ansatzes. […]

 

Rufus May

 

Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.), Statt Psychiatrie 2

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Psychische Krankheit – ein Phantom https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/psychische-krankheit-ein-phantom/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/04/psychische-krankheit-ein-phantom/#respond Mon, 01 Apr 2019 15:24:55 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5123

Jemanden für psychisch krank zu erklären, weil er bzw. sie auf eine bestimmte Art handelt oder sich verhält, ist etwas völlig anderes, als eine Krankheit festzustellen, für die es physiologische Anhaltspunkte gibt. Verhalten als Indiz für eine Krankheit ist kein objektiver Tatbestand – es ist darüber hinaus auch deswegen subjektiv, weil Verhalten eine Sache von Beobachtung und Interpretation ist. Kurz gesagt, was für den einen Menschen verrückt ist, ist für den anderen erklärbar, ja sogar vernünftig. Was dem einen abscheulich ist, hält der andere lediglich für schlechte Manieren, und ein Dritter mag das Verhalten sogar witzig finden. Das Urteil hängt davon ab, wer beobachtet, mehr noch von der Haltung, die der Beobachtung zugrunde liegt.

 

Die Vorstellung von psychischer Krankheit ist simpel: Man nehme psychisches Leid als Beweis für eine Krankheit, auf die nur eine hochspezialisierte und gutbezahlte Gruppe von Heilern – fast schon eine Priesterschaft – einwirken kann. Und man sei nicht sparsam mit drastischen Massnahmen. Man benutze Psychopharmaka, Grausamkeit und Schrecken, Einkerkerung und elektrischen Strom für das Gehirn. Blosse Gesprächstherapie ist zu einfach, sowie auch Gespräche, Freundschaft und Beratung zu primitiv sind, braucht man dazu doch weder Rezept noch Lizenz.

 

Menschliches Elend, Ungewissheit, Lebenskrisen, die schmerzhaften Prozesse, durch die wir uns voneinander trennen, wachsen, Neues schaffen, uns verändern oder Entscheidungen treffen… all das sind Zeiten der Verwundbarkeit. Von Seiten unserer Umwelt oder aus unserem Inneren regt sich Widerstand. Wir sind uns selbst unsicher, als Mann oder als Frau, als Liebende, Bruder oder Schwester, Kinder oder Eltern; wir können verwirrt sein, überwältigt, beschämt, eingeschüchtert, geschwächt oder erniedrigt. Ganz besonders dann, wenn wir davon überzeugt wurden, die eigenen Gefühle, Reaktionen und Beweggründe nicht zu kennen, die eigene Urteilskraft unzuverlässig und unsere psychischen Prozesse falsch zu finden. Dann erkläre man das Menschsein an sich zum medizinischen Problem, definiere die Psyche als eine Abfolge von mysteriösen Unwägbarkeiten und behaupte, es handle sich um ein chemisches Konstrukt von unsicherem Gleichgewicht, um ein Rätsel dem wir ausgeliefert sind. Nur die Psychiatrie kann diese instabile Mixtur in Ordnung bringen – mit Psychopharmaka, deren Wirkungsweise nicht einmal die Doktoren verstehen, von denen sie aber behaupten, dass sie uns nicht schaden.

 

Mit Psychopharmaka ist weniger Medizin gemeint, eher Medikation. Diese stellt ruhig, stumpft ab, macht träge oder hektisch, vermindert oder erzeugt Stress, stört die Konzentrationsfähigkeit und verzerrt die Wahrnehmung, verhindert vernünftiges Denken. Sie tut das, was Psychopharmaka eben tun: sie entstellen, aber sie heilen nicht, wie auch, wenn gar keine Krankheit vorliegt. Psychische und emotionale Belastungen und Beschwerden sind nun mal natürliche Bestandteile des menschlichen Lebens und keine Krankheitssymptome.

 


Kate Millett: Psychische Krankheit – ein Phantom.

Text aus dem Buch: „Statt Psychiatrie 2“, Peter Lehmann, Peter Stastny (Hg.)

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Depressionen vergehen in der Regel von selbst https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/03/depressionen-vergehen-in-der-regel-von-selbst/ https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/2019/03/depressionen-vergehen-in-der-regel-von-selbst/#respond Fri, 01 Mar 2019 16:48:11 +0000 https://www.alternativenzurpsychiatrie.ch/?p=5385

Was passiert eigentlich längerfristig, wenn man bei einer Depression gar nichts tut? Wie ist der Verlauf der unbehandelten Krankheit? […] Die WHO hat sich etwas einfallen lassen, um diese Frage anzugehen. Im Rahmen einer Längsschnitt-Studie […] identifizierten Epidemiologen insgesamt 740 depressive Patienten. […] Die depressiven Patienten wurden in vier Gruppen unterteilt: (A) diagnostizierte Patienten, die mit Antidepressiva behandelt wurden, (B) diagnostizierte Patienten, die mit einem Beruhigungsmittel (z.B. Benzodiazepinen) behandelt wurden, (C) diagnostizierte Patienten, die keine Medikamente erhielten und (D) Patienten, die nicht als depressiv diagnostiziert wurden und demzufolge ebenfalls keine Medikamente erhielten.

 

Drei und zwölf Monate nach der Erstuntersuchung wurde der Gesundheitszustand der Patienten erneut erhoben. Die Ausgangshypothesen der WHO – Experten waren gemäss Lehrmeinung: Die mit Antidepressiva behandelten Patienten sollten eigentlich den besten Verlauf zeigen, die nichtdiagnostizierten und die nicht therapierten Depressiven den schlechtesten. Heraus kam aber das Gegenteil. Die 484 Patienten, die keine Psychopharmaka erhielten, erfreuten sich ein Jahr nach der Eingangsuntersuchung einer besseren Gesundheit und hatten deutlich mildere Symptome als die medikamentös behandelten Patienten. […] „Die Untersuchung unterstützt die Ansicht nicht, dass das Nichterkennen einer Depression ernsthafte negative Auswirkungen hat […]“, schlussfolgern die WHO – Experten in ihrem Studienbericht.

 

Was schon Psychiatriepionier Emil Kraeplin wusste, wurde mal mehr bestätigt: Auch wenn es seine Zeit braucht – und diese Zeit grosses Leiden bedeuten kann – akute Depressionen vergehen in der Regel von selbst. Und behandelt man eine Depression nicht mit Medikamenten, so führt dies überhaupt nicht zwingend zu einer Chronifizierung der Krankheit. Die weitverbreitete Meinung, man müsse bei einer Erkrankung möglichst früh eingreifen, ist in der Psychiatrie oft falsch. Eine depressive Störung ist ja kein Tumor, der unkontrolliert weiter wächst, wenn man nichts dagegen unternimmt.

 

Felix Hasler, Neuromythologie, transcript

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